Schörghuber dementiert Verkaufsgerüchte: Es gärt im Brauerei-Imperium

München - Turbulente Zeiten für die Brau Holding International: In Bayerns größtem Bier-Imperium, zu dem Traditionsbetriebe wie Paulaner, Auer und Hopf gehören, gärt es. Hauptgesellschafter Stefan Schörghuber musste Verkaufsgerüchten widersprechen. Ein internes Schreiben offenbart grundlegende Probleme.

Es ist eine heikle Konstellation zwischen dem Multi-Unternehmer Stefan Schörghuber und dem niederländischen Braukonzern Heineken: Der Münchner hat seine Brauerei-Aktivitäten ­ darunter Paulaner, Hacker-Pschorr, Auer (Rosenheim), Hopf (Miesbach), Karlsberg und Kulmbacher ­ überwiegend in der Brau Holding International (BHI) gebündelt. An dieser besitzt Heineken einen Anteil von 49,9 Prozent. Die Mehrheit von 50,1 Prozent hält Schörghuber. Seit 2001, als dieses Verhältnis entstand, fragen Journalisten danach, wann Bier-Riese Heineken sich die Mehrheit einverleibe. Und stets hieß die Antwort von Unternehmensseite: Heineken muss sich mit seinen 49,9 Prozent begnügen. Mehr gibt's nicht. Doch nun schien es, dass die Antwort anders ausfallen könnte.

Die Branchen-Magazine "Inside" und "Lebensmittelzeitung" hatten berichtet, dass Schörghuber einen Verkauf der BHI in Erwägung ziehe. Unter anderem hieß es, in der Schörghuber-Gruppe ­ die auch Immobilien-, Hotel- und Flugzeugleasing-Geschäfte betreibt ­ gelte die Vorgabe, dass jede Sparte mindestens zwölf Prozent Kapitalrendite erzielen muss ­ für das Brauereigeschäft nach Einschätzung von Branchenkennern eine unerreichbare Hürde. Zudem hatte Schörghuber zusammen mit seinem Finanzchef Hans-Peter Hoh "bis auf Weiteres" die BHI-Leitung übernommen, nachdem er den bisherigen Chef Friedrich Hoepfner vor die Tür gesetzt hatte. Das war vor drei Monaten und einen neuen Chef gibt es immer noch nicht. Wohl aber gäbe es Kauf-Interessenten für die BHI. Neben Heineken wurde Deutschlands größte Brau-Gruppe Radeberger, die zum Lebensmittelkonzern Dr. Oetker gehört, als möglicher Käufer genannt.

Weder Heineken noch Radeberger wollte das Gerücht kommentieren, Schörghuber schon. Er teilte gestern mit, die Berichte "treffen nicht zu" und sprach von "falschen und irreführenden Informationen". Die BHI bekäme "bald auch eine neue Führung". Das hat Schörghuber in einem Brief auch den Mitarbeitern mitgeteilt. Das Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, offenbart grundlegende Probleme.

"Bedenklich ist, dass aus einer Runde von Führungskräften verzerrt und verkürzt vertrauliche Informationen an die Öffentlichkeit getragen wurden", beklagt Schörghuber in dem Brief. Man sei der "Überzeugung, dass die BHI-Gruppe eine nachhaltig wirtschaftlich erfolgreiche Einheit sein kann. Allerdings müssen wir hierfür einige Dinge verändern."

Die BHI setzt auf eine Regionalstrategie, die den Brauereien Freiraum lassen, aber zugleich die Vorteile eines großen Verbundes nutzen soll ­ etwa beim Einkauf. Als Verfechter dieses Vorgehens galt sowohl Ex-Chef Hoepfner als auch dessen Vorgänger Wolfgang Salewski. Beide sind weg. Und Schörghuber mahnt Verbesserungen an: Man müsse "beweisen, dass die Umsetzung dieser Strategie mehr bedeutet als das wirtschaftlich wenig erfolgreiche Nebeneinander und manchmal auch Gegeneinander von unterschiedlichen Brauereibeteiligungen". Nötig seien "Wandel und Veränderung". Dies stoße "verständlicherweise nicht auf ungeteilte Zustimmung".

Schörghuber betont seinen langen Atem: "Ich brauche keine kurzfristigen Erfolgsgeschichten, wie das bei börsennotierten Unternehmungen der Fall ist." Zur Frage, ob auch das Bekenntnis zum Brauereigeschäft langfristig gilt, erklärte eine BHI-Sprecherin, man beobachte wie jedes Unternehmen stets die Marktgegebenheiten. Hans Hartl von der Gewerkschaft NGG, der seit Schörghubers Wechsel in die Unternehmensleitung Aufsichtsratsvorsitzender der BHI ist, bestätigt, dass "der Verkauf nie ein Thema" gewesen sei. Das habe ihm Schörghuber auch in persönlichen Gesprächen versichert. "Aber ich weiß aus meiner Lebenserfahrung: Wenn der Preis stimmt, kann jeder schwach werden."

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