Schon 1961 sollte das Öl ausgehen: Warum es immer noch mehr gibt

- München - Wie lange reichen die Ölreserven? 21 Jahre hieß es 1940. 1960, kurz vor Ende dieser Spanne, waren es bereits weitere 38 Jahre. Auch 2004 saßen wir nicht längst auf ausgetrockneten Ölfeldern, sondern auf Reserven für weitere 46 Jahre. Weit schneller als der Verbrauch wuchsen die Reserven. Die Entwicklung veranlasst den US-Energiegiganten Exxon-Mobil zu einer optimistischen Prognose: "Auch die Enkel unserer Enkel werden noch genug Öl haben."

Der Grund dafür liegt an der Berechnung der Reserven: Die US-Börsenkommission hat den Energieunternehmen strikte Vorschriften für "sicher bestätigte Reserven" vorgegeben: Diese müssen durch Bohrungen bestätigt sein, sie müssen mit heutiger Technik förderbar sein, und sie müssen heute wirtschaftlich sein. Das trifft aber nur auf einen Bruchteil des Öls zu, das sich in Jahrmillionen unter der Erdoberfläche und den Meeren angesammelt hat.

Auch aus stillgelegten Quellen sprudelt wieder Öl

Tatsächlich kann man Öl längst auch ohne Bohrungen sicher orten: unter anderem durch Satellitentechnik und eine elektromagnetische Suchmethode hat sich der Erfolg von Bohrungen nach dem schwarzen Gold erheblich verbessert: In jedem zweiten Fall werden Bohrtrupps heute fündig. Früher war nur jede zehnte Probebohrung erfolgreich. Dabei trifft man meist auf Öl, das vor wenigen Jahren noch als unerreichbar galt: Zu tief oder zu schwer zu orten. Die Zeiten, als man in Arabien oder Texas mit dem Spaten Öl fand, sind längst vorbei.

Verbesserte Technik hat einen Großteil der Reserven erreichbar gemacht. Etwa weit unter dem Meer: Die ersten Bohrinseln überbrückten 70 Meter zum Grund. Seit vielen Jahren arbeiten in der Nordsee Inseln, die in 300 Metern Tiefe verankert sind. Inzwischen ist man in 1463 Meter Tiefe erfolgreich und versucht sich mit Bohrungen 3000 Meter unter dem Meer, die dann noch weitere sieben Kilometer in den Meeresboden reichen.

Auch der hohe Ölpreis macht manche Förderung attraktiv. So wird zurzeit in Österreich frisches Erdöl aus alten Bohrlöchern geholt, die wegen Unwirtschaftlichkeit bereits aufgegeben waren.

Oft spielen auch mehrere Faktoren zusammen. Lange galt die Verarbeitung der Ölschiefer und -sande in Kanada als unwirtschaftlich. Steigende Ölpreise und technischer Fortschritt hat die Ausbeutung dieser schwer erschließbaren Vorkommen attraktiv gemacht. Eine Folge: Mit 24 071 Millionen Tonnen liegt Kanada in der Liste der ölreichsten Ländern auf Platz zwei hinter Saudi-Arabien (35 432 Millionen Tonnen).

Insgesamt sind die Ölreserven der Welt seit 1980 von 88 352 auf 173 338 Millionen Tonnen im Jahr 2004 gestiegen. Der Verbrauch ist im gleichen Zeitraum weit weniger gestiegen, von 3059 auf 3821 Millionen Tonnen im Jahr.

Das Öl reicht noch lange, ist daher die Einschätzung des texanischen Ölgiganten. Damit stimmt er mit den meisten Experten überein. Eine andere Aussage wird nur von wenigen geteilt: Öl bleibt langfristig billig. Anders als die Konkurrenten geht Exxon auf Distanz zu Solar- und Windenergie.

Doch würde die Verbrennung von noch mehr fossilen Brennstoffen den CO2-Ausstoß weltweit dramatisch erhöhen. Exxon Mobil gehört zu den Sponsoren des "Global Climate & Energy-Project" der Stanford University, das unter anderem erforscht, ob das Treibhausgas in ausgebeuteten Öl- und Erdgaslagerstätten von der Atmosphäre fernzuhalten ist. Europäische Konkurrenten denken bereits an die Nach-Ölzeit. BP (British Petroleum) interpretiert bereits das eigene Kürzel neu: "Beyond Petroleum" (über Petroleum hinaus).

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