Schon 2008 wird Weiterbildung zur Pflicht

München - Berufskraftfahrer werden künftig europaweit besser ausgebildet. Was unter anderem der Sicherheit dienen soll, bedeutet aber für viele kleine Busunternehmen das Aus. Ihre Fahrer können sich teure Kurse nicht leisten. Kaum ein Betroffener weiß bis heute, was auf ihn zukommt.

Werner S. (56) arbeitet fünf Tage in der Woche als Lagerverwalter. Am Wochenende sattelt er oft um: Wenn sein zweiter Chef anruft, steigt er in den Bus. Er ist einer von tausenden Wochenend-Busfahrern. Den Führerschein samt Passagier-Lizenz haben sie meist seit Jahrzehnten ­ oft noch aus ihrer Bundeswehrzeit. Doch dieses Geschäftsmodell, auf das zahlreiche kleinere Busunternehmen bauen, steht vor dem Aus.

Der Nebenjob, der am Wochenende ein kleines Zubrot bringt, wird nämlich für viele Gelegenheitsfahrer zu teuer. Denn künftig muss jeder, der beruflich einen Bus oder einen Lkw bewegt, regelmäßig die Schulbank drücken. Das sieht EU-Recht vor, das in Deutschland ab September 2008 verbindlich wird. Nach dem Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetz (BKrFQG) werden Weiterbildungen zur Pflicht.

Zwar gibt es eine Reihe von Ausnahmen, unter anderem für Feuerwehrleute oder Handwerker. Auch wer einen ­ beispielsweise zum Wohnmobil ausgebauten ­ schweren Lkw zum eigenen Vergnügen fährt, darf das auch künftig tun. Gelegenheitsbusfahrer und Aushilfs-Brummi-Piloten allerdings sind vom Gesetz erfasst. Das bedeutet: Jeder von ihnen muss alle fünf Jahre 35 Stunden Unterricht nachweisen. Ob er dies in jährlichen 7-Stunden-Seminaren ableistet oder im Block in einer Woche, bleibt jedem einzelnen überlassen. Die Kosten: etwa 1200 Euro.

"Bei den Gelegenheitsfahrern wird voraussichtlich ausgedünnt", erwartet Werner Kraus, Bereichsleiter Training bei der Tüv-Süd-Akademie. Denn wer gelegentlich einige Euro als Fahrer verdient, werde die Ausgaben und den Zeitaufwand scheuen. Für Vollzeitfahrer dagegen zahlt sich die Sache schnell aus: "Allein das Seminar ,Wirtschaftlichkeit hilft einem hauptberuflichen Lkw- oder Busfahrer, mehr einzusparen, als der gesamte Fortbildungsaufwand kostet", rechnet Tüv-Projektleiter Frank Huber. Neben diesem Thema stehen Sicherheitsaspekte im Vordergrund. Auch der Umgang mit Kunden ist ein Thema.

Weit gravierendere Folgen hat die Sache für Berufseinsteiger. Sie müssen erst einmal eine Grundqualifikation erwerben. Zu dieser gibt es zwei Wege:

-Entweder kann man die Schulbank drücken und mit einer vergleichsweise kurzen Prüfung den entsprechenden Nachweis erwerben.

-Oder man lernt selbst und muss dafür eine eintägige Prüfungsprozedur über sich ergehen lassen.

Die Kosten liegen in jedem Fall im vierstelligen Bereich. Dabei haben Kraftfahrer schon für die entsprechenden "normalen" Führerscheine der Klassen D und C zunächst (aufbauend auf die vorhandene Pkw-Fahrerlaubnis) bereits rund 2500 Euro hinzulegen. Die Kosten vor dem Berufseinstieg steigen voraussichtlich auf rund 4000 Euro (präzise Kalkulationen liegen bisher nicht vor). Für Gelegenheitsfahrer ist das ein Aufwand, der sich selbst nach vielen Jahren nicht auszahlen wird.

Allerdings gibt es zumindest bei der Grundqualifikation einen Ausweg: Wer bis 10. September 2008 einen Busführerschein erworben hat oder bis 10. September 2009 einen Lkw-Führerschein, dem bleibt diese Prozedur erspart. Um die Weiterbildung kommt aber keiner herum.

Was die Tüv-Experten, die längst Weiterbildungspläne fertig haben, wundert: Viele Betroffene kümmern sich bis jetzt kaum um das, was unaufhaltsam auf sie zukommt. Das gilt für Speditionen und Busunternehmen ebenso wie für Landratsämter, die für die entsprechenden Einträge im Führerschein zuständig sind.

Dabei müssten viele Unternehmen vor allem den künftigen Weiterbildungsaufwand organisatorisch erst einmal bewältigen. Unter anderem haben die Tüv-Trainer schon Verbindung zu Raststätten aufgenommen, um dort Brummi-Fahrern, die am Sonntag wegen Fahrverbots festsitzen, die Zeit mit Lehrgängen zu vertreiben: Schulbankdrücken statt dösen in der Koje hinterm Fahrerraum.

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