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Vielfalt: Neben den Eigen- und Billigmarken der Handelsketten sowie den Artikeln bekannter Marken gehören zunehmend auch regionale und lokale Produkte zum Angebot der Lebensmittel-Einzelhändler.

Handel

Schon jedes vierte Produkt aus der Region

München - Immer mehr Menschen achten darauf, Obst, Gemüse und Eier aus der näheren Umgebung zu kaufen. Bei einigen Einzelhändlern sorgen regionale Produkte für ein Viertel des Umsatzes.

Das abgelaufene Jahr 2013 war das erste Jahr nach einer der größten Pleiten im Einzelhandel – der von Schlecker –, und fast alle profitierten davon: Große Supermärkte mit mehr als 1200 Quadratmetern (das entspricht der Fläche von viereinhalb Tennisfeldern) gehören nach Angaben des Handelsverbands Bayern (HBE) zu den Gewinnern des Jahres 2013. Doch auch die Discounter, die in den Vorjahren Boden verloren hatten, konnten überproportional zulegen. Sie alle verkauften viel mehr Drogerieartikel. Dabei kann sich der Lebensmittel-Einzelhandel auch insgesamt nicht beschweren. Sein Umsatz wuchs im abgelaufenen Jahr um 4,5 Prozent auf 25,5 Milliarden Euro. Vom „höchsten Zuwachs seit über zehn Jahren“ spricht Matthias Zwingel, selbst Inhaber von sieben Märkten und Vizepräsident des Verbandes. Gewinner über alle Vermarktungsformen hinweg waren 2013 Produkte aus der näheren Umgebung. „Regional erzeugte Lebensmittel sind ein Megatrend im Lebensmittel-Einzelhandel“, sagt HBE-Geschäftsführer Alexander Spickenreuther. Sie seien wegen kurzer Transportwege umweltfreundlich und sorgen für Wertschöpfung in der Region.

In einigen Märkten werde bereits jeder vierte Euro für regionale Lebensmittel ausgegeben. Damit eilen diese Produkte dem Bio-Trend weit voraus. Bio-Artikel haben im Lebensmittel-Einzelhandel einen Umsatzanteil von lediglich 4,45 Prozent. Doch auch sie konnten 2013 zulegen. Aber es gibt auch Verlierer: Die kleineren, innerörtlichen Supermärkte, von denen erneut eine ganze Reihe aufgeben musste. „In vielen Kommunen hat sich die Nahversorgung weiter verschlechtert“, klagt der HBE. Das ist für eine Gruppe der Kunden besonders schmerzlich: Älteren Menschen, die weniger mobil sind, dient der Laden um die Ecke nicht nur zur Versorgung. „Er ersetzt auch den Dorfbrunnen – einen Platz, wo man sich trifft“, sagt Einzelhändler Zwingel.

Für die Entwicklung sieht der Verband folgenden Grund: Große Supermärkte auf der grünen Wiese schöpfen laut Zwingel die Kaufkraft eines großen Einzugsbereichs ab. So verlieren durch einen der Riesen in dessen Einzugsbereich die kleineren Märkte Kunden und Umsatz.

Deren Dilemma: Viele könnten sich zwar durch Spezialisierung behaupten, doch häufig legt ihnen die Bürokratie zusätzliche Steine in den Weg. Oft sind es nach den Erfahrungen des Handelsverbands Politiker und Behörden am Ort, die Händlern das Wasser abgraben – indem sie Vorschriften so eng auslegen, dass alteingesessene Händler in gewachsenen Ortschaften sie nicht mehr erfüllen können – und aufgeben. Dagegen haben es die Neueinsteiger in meist großzügig geplanten Gewerbegebieten außerhalb leicht, beispielsweise die geforderte Anzahl von Parkplätzen anzulegen.

Dabei müssten gerade innerhalb der Ortschaften Lücken geschlossen werden, die durch die Schlecker-Pleite entstanden sind. Denn oft gehörten in kleineren Dörfern oder Ortsteilen die Filialen der Drogeriemarktkette zu den wenigen Einkaufsmöglichkeiten, die noch übriggeblieben waren. So könnte sich ohne entschiedenes Gegensteuern eine Entwicklung der letzten Jahre noch beschleunigen: Bäcker weg, Schlecker weg, Metzger weg, und wenn noch der letzten Kramerladen im Dorf aufgibt, kriegt man ohne Auto gar nichts mehr.

Martin Prem

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