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Die Getreideernte ist im vollen Gange. Foto: Swen Pförtner

Existenzbedrohend

Landwirte sorgen sich um die Getreideente - viel zu trocken

Im vergangenen Herbst stand das Wasser auf vielen Feldern, jetzt sind die Ackerböden vor allem im Norden und Osten Deutschlands knochentrocken. Die Hitze macht nicht nur Getreidebauern zu schaffen.

Trebbin (dpa) - Der Deutsche Bauernverband erwartet wegen der anhaltenden Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands erhebliche Ernteausfälle und verlangt deshalb Hilfen für Landwirte.

Existenzen seien bedroht, vor allem wegen Ausfällen bei der Getreideernte, warnte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, am Donnerstag in Trebbin (Teltow-Fläming) südlich von Berlin.

Die Getreideernte wird laut Bauernverband mit 41 Millionen Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von knapp 48 Millionen Tonnen liegen. Wegen des schwierigen Wetters vor allem im Norden und Osten Deutschlands mit zu viel Hitze und zu wenig Regen gab es einen außergewöhnlich frühen Erntebeginn. Die Körner seien nicht ausreichend gereift und viel zu klein. Teilweise sei die Ernte gar nicht eingeholt, sondern gleich gehäckselt worden, hieß es.

"Das Wetter war in manchen Teilen Deutschlands in diesem Jahr eine echte Herausforderung: Nach einem nassen Winterhalbjahr folgte ein kalter Start ins Frühjahr", begründete Rukwied die Entwicklung. "Im April war der Frühling zu warm und viel zu trocken - dieser Wetterwechsel hat viele Kulturen stark gestresst", betonte Rukwied.

Rukwied verlangte für die Landwirte Hilfe bei ihrer Liquiditätssicherung. Sie müssten in wirtschaftlich guten Zeiten steuerfreie Rücklagen zum Risikoausgleich bilden können. Die wirtschaftliche Situation für die Landwirte werde angesichts der geringeren Erntemenge und der nicht entsprechend steigenden Preise schwierig.

In Deutschland wird Getreide auf 6,25 Millionen Hektar angebaut, etwa so viel Fläche wie im Vorjahr. Beim Winterweizen - der wichtigsten Getreideart - ist die Fläche um 6 Prozent zurückgegangen. Der starke Regen im Herbst hatte die Felder im Norden unbefahrbar gemacht. Dafür kamen im Frühjahr Sommerkulturen in die Erde: Bei Sommergerste stieg die Fläche um 29 Prozent auf 437 000 Hektar und bei Sommerweizen um 160 Prozent auf knapp 108 000 Hektar.

Bei Winterraps, der auf etwa 1,3 Millionen Hektar steht, mussten die Erwartungen bei der Ernte auf 2,9 Tonnen pro Hektar reduziert werden. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre waren es bei Deutschlands bedeutendster Ölpflanze 3,8 Tonnen. Auch Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben, die erst im Herbst geerntet werden, macht der Wassermangel zu schaffen.

In Brandenburg leiden die landwirtschaftlichen Kulturen unter so extremer Trockenheit wie seit 15 Jahren nicht mehr, sagte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg. Hier rechnen die Landwirte mit Ausfällen zwischen 20 und 50 Prozent, teilweise müsse die Ernte komplett abgeschrieben werden. Zu trocknes Grünland liefere auch zu wenig Futter für die Tiere. Die Verbraucherpreise dürften durch die schlechten Ernteergebnisse nach den Angaben kaum beeinflusst werden. In bedeutenden Anbauländern wie Nordamerika, Russland und Australien gibt es die Aussicht auf gute Erträge.

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