Und schon wieder ein Formular mehr...

Verbraucher: - "Der Mittelstand kommt unter die Räder!", warnt der Bund der Selbständigen in Bayern. "Der Vorschlag der Regierung ist einfach nur lächerlich und verursacht enorme Kosten", meint Steuerberater Michael Reitsam. Und Unternehmer Werner Obermeier rechnet vor, dass "unterm Strich der Verbraucher mehr bezahlen muss". Grund des Anstoßes ist die Unternehmenssteuerreform, die unter anderem vorsieht, die Sofort-Abschreibungs-Grenze geringwertiger Wirtschaftsgüter von bislang 410 Euro drastisch zu senken.

Für die Regierung bringt das einen Milliarden-Ausgleich für anstehende Steuerverluste. Für die Unternehmer jedoch einen drastischen Mehraufwand bei der Buchhaltung.

Bislang konnte Werner Obermeier in seinem Münchner Heizungs- und Sanitärbetrieb eine neu angeschaffte Schlagbohrmaschine für 400 Euro auf einen Schlag als betriebliche Ausgabe abschreiben. Setzt sich die Regierung aber mit ihrer Unternehmensreform durch, heißt das, er muss ab 2008 neue Werkzeuge die teurer als 100 Euro sind fünf Jahre lang abschreiben. "Das wäre ein Riesen\-aufwand", beschwert sich der 67-Jährige. Steuerberater Michael Reitsam pflichtet ihm bei: Sowohl auf den Steuerpflichtigen als auch auf die Finanzverwaltung käme eine enorme Mehrbelastung zu. Schließlich müssten sich die Steuerbehörden dann mit noch dickeren Anlageverzeichnissen auseinander setzen. "Und dass, obwohl Abschreibungen schon jetzt immer wieder Anlass für Streitigkeiten sind", weiß Reitsam.

Kampf mit geringwertigen Wirtschaftsgütern

Das Gesetz sieht vor, dass geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) ­ also alle selbstständig nutzbaren, beweglichen Gebrauchsgegenstände im Unternehmen, wie Diktiergeräte, Bürostühle, Bücherschränke, Papierkörbe oder Faxgeräte ­ nur noch dann sofort als Betriebskosten abgeschrieben werden dürfen, wenn sie die Grenze von 100 Euro nicht überschreiten. Bislang lag die Grenze bei 410 Euro. Alles, was teurer ist (bis maximal 1000 Euro), wird in einen Pool geworfen und muss über einen Zeitraum von fünf Jahren gleichmäßig abgeschrieben werden.

Was das in der Praxis heißt, beschreibt Textilreinigungsmeister Lothar Amm, dessen Unternehmen unter anderem Schmutzfangmatten vermietet, die im Einkauf je nach Größe bis zu 300 Euro kosten ­ also über der neuen Grenze liegen. Bis zu 6000 Stück kauft Amm jedes Jahr neu ein und rund 60\x0f000 Matten hat er im Umlauf. Bislang konnte er die Schmutzfänger als GWG sofort abschreiben und Ausbuchungen, wenn eine Matte vorzeitig kaputt oder verloren ging, waren unkompliziert. "Zukünftig müssen wir alle Matten einzeln aktivieren und im Bestand führen, um bei Verlust oder Aussonderung den Restwert zu ermitteln", sagt Lothar Amm. Dafür müsste der 43-Jährige eine zusätzliche Arbeitskraft einstellen. Für ihn "unbezahlbar".

Und Sanitärfachmann Werner Obermeier gibt zu bedenken: "Wenn ich durch mehr Bürokratie mehr Kosten habe, dann muss ich die Kosten der Maschinen- und Werkzeugvorhaltung umlegen. Und dann zahlt‘ s unterm Strich wieder der Verbraucher."

"Regelung widerspricht dem Grundgesetz"

Hauptgeschäftsführer des Bunds der Selbständigen in Bayern, Markus Droth, kann die Entscheidung der Regierung nicht nachvollziehen: "Auf diese Art eine Gegenfinanzierung erreichen zu wollen, ist ein Fehler", ist sich Droth sicher. Er hält die vorgeschlagenen Regelungen für "nicht überlegt" und hofft, dass hier noch nachgebessert wird. Schließlich ist das Gesetz zwar vom Kabinett verabschiedet, aber noch lange nicht beschlossen.

Auch Steuerberater Michael Reitsam kann sich nicht vorstellen, dass diese "lächerliche" Regelung in dieser Form durch den Bundesrat geht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die 100-Euro-Grenze bei der Mehrzahl der Anschaffungen überschritten werde. Ein weiteres Problem ergibt sich für den Steuerexperten daraus, dass im Gesetzentwurf mit zweierlei Maß gemessen wird: Für Arbeitnehmer gelten die alten Regeln weiter. "Ein Nichtselbstständiger kann eine Anschaffung im Wert von maximal 410 Euro weiterhin zum Beispiel als Werbungskosten sofort abschreiben", sagt Reitsam. Er sieht einen Widerspruch zum Grundgesetz, nach dem alle Menschen vor dem Gesetz gleich behandelt müssen, und das gelte schließlich auch beim Steuergesetz.

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