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Schonfrist: Oddset bekommt bis 2007 keine private Konkurrenz

- Karlsruhe - Selten hat ein Urteil alle Beteiligten als Sieger zurückgelassen: Anbieter privater Sportwetten sehen sich ebenso in dieser Rolle wie die staatliche Lotterieverwaltung in Bayern. Doch für beide Seiten könnte es ein böses Erwachen geben.

Bei den privaten Anbietern könnte der Wecker bald klingeln. Im Grundsatz haben sie zwar Recht bekommen: Das bestehende Wettmonopol sei mit der Berufsfreiheit unvereinbar, entschieden die Richter. Das hören Anbieter, die in einer Grauzone agieren, gerne. "Wir haben überwiegend gewonnen", sagte Ronald Reichert, Anwalt der klagenden Münchner Wettanbieterin.

Doch die Details versalzen ihnen die Suppe: Die Rechtslage muss erst zu Beginn des Jahres 2008 geändert werden. Und: Maßnahmen gegen private Wettanbieter sind nun wieder möglich. Das erhoffte Geschäft mit der Fußball-Weltmeisterschaft läuft nun ohne sie. Oddset muss vorläufig mit niemandem teilen.

Das ist zunächst eine Trumpfkarte der staatlichen Lottoveranstalter. Doch langfristig können auch sie keinen Stich mehr machen. Es reicht nämlich nicht, sich "künftig noch konsequenter an dem Gemeinwohlziel der Spielsuchtbekämpfung zu orientieren", wie die bayerische Lotterieverwaltung den Richterspruch interpretiert. Das Monopol muss sicherstellen, dass es wirklich der Suchtbekämpfung dient. Anstatt für Oddset zu werben, muss die Lotterieverwaltung künftig davor warnen.

Das könnte beim öffentlichen Auftreten schon vor 2008 der Fall sein. "Bis zur Neuregelung des Wettrechts werden wir die Vorgaben des Verfassungsgerichts zur Begrenzung der Werbung und zum Auftreten von Oddset strikt einhalten", kündigte Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser an.

Im erzwungenen Wegfall einer sprudelnden Einnahmequelle des Staates sehen die privaten Anbieter langfristig ihre Chance. Denn das Urteil eröffnet auch die Möglichkeit einer "Veranstaltung durch private Wettunternehmen".

"Nun sind ordnungspolitische Maßnahmen nötig, die uns erlauben, am Markt teilzunehmen", sagte Markus Maul, Präsident des Verbandes Europäischer Wettunternehmer. Und Jens Becker, Anwalt des Anbieters "Betandwin" (der über eine gültige Lizenz verfügt), erwartet "einen Rechtsrahmen, innerhalb dessen private und staatliche Veranstalter unter gleichen rechtlichen Voraussetzungen agieren dürfen".

Bisher geduldeten Sportwetten-Anbietern drohen harte Zeiten: "Bayern wird konsequent gegen illegale Sportwett-Angebote einschreiten", kündigte Innenstaatssekretär Georg Schmid an. Lotto-Präsident Erwin Horak forderte auch eine "wirksame Handhabe gegen die Vermittlung von Sportwetten über das Internet".

Über einen Nebeneffekt dürfen sich die Sportverbände freuen: Sie werden mit jährlich 530 Millionen Euro aus den Erlösen der staatlichen Lotterien und von Oddset gefördert. Insgesamt werden 2,4 Milliarden Euro der Lotto-Einnahmen für gemeinnützige oder staatliche Zwecke ausgeschüttet. "Es hätte für den Sport schlimmer kommen können", sagte entsprechend Manfred von Richthofen, der Präsident des Deutschen Sportbundes.

Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, sieht die Chance, Betrügereien einen Riegel vorzuschieben. "Wir wollen keine zügellosen Wettveranstaltungen, weil wir sowohl der Suchtgefahr als auch den Gefahren der Manipulation des Spielbetriebs vorbeugen müssen."

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