Schreckgespenst vom Dollar-Crash geht um

- Frankfurt - Allen Unkenrufen zum Trotz: Der Euro hat zum Wochenschluss erstmals in seiner jungen Geschichte die Hürde von 1,20 Dollar genommen und damit einen Rekordstand markiert. Nach der hitzigen Debatte über die Aufweichung des Europäischen Stabilitätspaktes war eine Schwäche der Gemeinschaftswährung befürchtet worden. Doch im weltweiten Handel mit Dollar, Euro, Yen und Pfund Sterling spielen die europäischen Querelen derzeit nur eine untergeordnete Rolle.

<P>Vielmehr hat sich an den Devisenmärkten eine extrem negative Stimmung gegen den Dollar aufgebaut. Auch das britische Pfund ist auf den höchsten Stand seit fünf Jahren im Vergleich zum Dollar gestiegen. Selbst die beachtlichen Wachstumsraten der US-Wirtschaft können die Akteure im Devisenhandel nicht von ihrer Anti-Haltung abbringen.</P><P>Dabei hat sich in den vergangenen Monaten wenig an den fundamentalen Daten geändert, nur das Augenmerk hat wieder eine andere Richtung genommen. Die Europäische Zentralbank warnt wie eine Gebetsmühle vor den weltpolitischen Ungleichgewichten. Gemeint ist dabei vor allem das riesige Loch in der US-Leistungsbilanz - hauptsächlich verursacht durch den Importdruck der großen asiatischen Handelspartner China und Japan. </P><P>So hat sich über Jahre ein immer größeres Defizit in der US-Außenbilanz aufgebaut. Während 2001 noch ein Minus von 358 Milliarden Dollar zu Buche stand, sind 2003 schon 580 Milliarden Dollar zu verkraften. Dieses Loch muss durch einen entsprechenden Zustrom von Kapital finanziert werden. Doch der Import ausländischen Geldes gerät ins Stocken.</P><P>Darüber hinaus wird das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft von der enormen Schuldenpolitik der Regierung in Washington durch Steuergeschenke und steigende Militärausgaben belastet. Dabei spielt auch der Wahltermin für die amerikanische Präsidentschaft im November 2004 eine zunehmende Rolle. Der Regierung im Weißen Haus wird eine Vorliebe für einen schwachen Dollar unterstellt, um über anziehende Exporte die Konjunktur zu stabilisieren. </P><P>Nach dem Fall der psychologisch wichtigen Marke von 1,20 Dollar mehren sich besorgte Stimmen, die Devisenmärkte könnten in eine Übertreibung schlingern. "Ein Dollar-Crash würde die gesamte Weltwirtschaft ziehen", mahnt Ulrich Kater, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Deka-Bank.</P><P> </P>

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