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Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls

Ehemalige Männerfreunde vor Gericht

Augsburg - Im Prozess gegen den ehemaligen Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber stand heute Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls vor dem Richter. Schreiber schwieg weiter.

Es ist ein kurzer Gruß beim Wiedersehen nach 13 Jahren. Mit einem leichten Kopfnicken begrüßen sich im Augsburger Gerichtssaal die beiden Ex-Freunde, der Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls und der ehemals spendable Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber.

Pfahls, inzwischen 67 Jahre alt, hat die Geldannahme von Schreiber einmal als die “größte Dummheit meines Lebens“ bezeichnet, für die er fünf Jahre lang auf der Flucht war. Schreiber, der angekündigt hatte, in seinem Prozess mit Enthüllungen die Republik erzittern lassen zu wollen, schweigt eisern weiter.

So eisern, dass der Vorsitzende Richter Rudolf Weigell zu Schreiber ironisch bemerkt, von seinen angekündigten Erschütterungen sei bis jetzt nichts zu spüren. Vor Pfahls erzählt Ex-Thyssen-Manager Winfried Haastert als Zeuge, wie ihn Schreiber im November 1991 einmal überrascht hat.

Umschlag mit 1,2 Millionen Mark

Damals habe man sich in der Schweiz getroffen. Schreiber habe ihm wortlos einen Umschlag mit rund 1,2 Millionen D-Mark in die Hand gedrückt, ihm alles Gute gewünscht und gesagt, er solle sich was Schönes dafür kaufen. Als Richter Weigell wissen will, wofür das Geld floss, kommt die Antwort: “Ein freiwilliges Geschenk von einem guten Freund.“

Gegenleistungen habe er dafür natürlich nicht erbracht. “Ich hätte nie etwas getan, was meine Firma schädigen könnte“, beteuert Haastert, der für die Schreiber-Zahlungen wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt wurde.

Und wieder einmal wendet sich der Richter direkt an Schreiber: “Herr Schreiber, hatten Sie viele solche Freunde, denen Sie namhafte Summen geschenkt haben?“ Keine Antwort. Pfahls erzählt noch einmal seine schon bekannte Geschichte von den 500 000 D-Mark, die er von Schreiber verlangt habe, als dieser mit den Millionenbeträgen für ihn in der Schweiz geprahlt habe. Bei einem Treffen in Kaufering im April 1992 habe Schreiber ihm einen Umschlag hingeworfen mit der Bemerkung: “Hier hast das Geld und halt die Schnauze.“

Später, als Pfahls aus der Sache mit den illegalen Zahlungen aussteigen wollte, soll Schreiber ihm entgegengehalten haben: “Wir sind doch vom selben Schrot und Korn. Wir haben unseren Arsch hingehalten, dass bezahlt wird, und halten ihn wieder hin, wenn bezahlt wird“, erzählt Pfahls aus seiner Erinnerung.

Schreiber sitzt rund zwei Meter seitwärts vom Zeugentisch und verzieht keine Miene. Manchmal hat es den Anschein, als schüttle er leicht den Kopf, wenn Pfahls pikante Details dieser - später zerbrochenen - Männer-Freundschaft erzählt. Dann wieder macht er sich konzentriert Notizen.

Am Morgen kommt Schreiber stets aufgeräumt in den Gerichtssaal, grüßt allerseits und gibt sich selbstbewusst. Am Nachmittag sieht man dem 75-Jährigen dann aber die Anstrengung doch an. Er wird zunehmend blass, Flecken bilden sich im Gesicht. Vor gut vier Wochen hat das Verfahren nach Schreibers zehnjähriger Flucht nach Kanada begonnen, und es zeichnet sich ein langwieriger Prozess ab.

Am nächsten Verhandlungstag sind die beiden Söhne Max und Franz-Georg des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß geladen. Schreiber soll nach dem Tod von Strauß-Vater Vertrauter und Ziehvater von Max und dieser Geschäftspartner von Schreiber gewesen sein. Max war wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen von Schreiber zunächst verurteilt, in zweiter Instanz aber frei gesprochen worden.

Nikolaus Dominik

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