Schrempp wirft hin: Börsen feiern Rücktritt mit 10 Prozent Kursplus

- Stuttgart - "Ich bin ein sehr glücklicher Mann." Geradezu euphorisch kommentierte Jürgen Schrempp seinen Abschied von der Kommandobrücke bei Daimler-Chrysler. Die Erklärung für diesen völlig überraschenden Schritt fällt eher dürr aus: Der Konzern sei auf Kurs, der Zeitpunkt für einen Machtwechsel günstig.

Auch der Aufsichtsrat versuchte den Eindruck zu erwecken, dass es sich um einen ganz normalen Vorgang handelt. Doch gibt es eine Reihe von Ungereimtheiten, die den Abgang von Deutschlands bekanntestem Industriekapitän überschatten.

In der offiziellen Erklärung heißt es, der Aufsichtsrat und Schrempp seien sich "einig, dass Ende 2005 der optimale Zeitpunkt für einen Wechsel in der Führung des Unternehmens gekommen ist. Die Beschlüsse des Aufsichtsrates wurden nach einem sorgfältigen Prozess im Vorfeld einstimmig gefasst." Merkwürdig nur: Schrempps Vertrag war gerade einmal vor gut einem Jahr vorzeitig verlängert worden - bis 2008.

Auffällig ist auch, was in der Erklärung fehlt: eine lobende Würdigung Schrempps, der immerhin zehn Jahre lang den Konzern gelenkt hat.

Ungewöhnlich ist zudem, dass Schrempp, der als Kfz-Mechaniker-Lehrling bei Daimler angefangen hatte, "sein" Unternehmen nach 44 Berufsjahren ohne die Ankündigung verlässt, ihm mit einem Aufsichtsratsmandat weiter als Berater zur Verfügung zu stehen.

Schrempp ist der geistige Vater der Expansionsstrategie, die 1998 in der Fusion mit Chrysler gipfelte. Genau dieser Zusammenschluss wurde später von Aktionären und Analysten heftig kritisiert. Zuletzt warfen große Fondsgesellschaften und Kleinaktionäre "Mr. Welt AG" auf der Hauptversammlung im April den teuren Rückzug aus der Mitsubishi-Beteiligung vor und beschuldigten ihn, auf die jüngsten Ertragsprobleme bei Mercedes zu spät reagiert zu haben und mit dem Festhalten an der defizitären Tochter Smart den Konzern in die Sackgasse zu steuern.

Dass Schrempp trotz aller Rückschläge das Lenkrad bei Daimler-Chrysler so lange in der Hand halten konnte, lag vor allem daran, dass er den Konzern passgenau auf sich zugeschnitten hatte und in Aufsichtsratschef Hilmar Kopper einen mächtigen Fürsprecher und Freund hatte.

Es ist nicht ohne Ironie, dass ausgerechnet die Nachricht von Schrempps Ausscheiden der Aktie nach langer Zeit mal wieder auf die Sprünge verhalf. Zeitweise legte das Papier um mehr als zehn Prozent zu, ein höchst ungewöhnlicher Anstieg bei einem derart großen Unternehmen.

Mit der Entscheidung für Dieter Zetsche als Nachfolger Schrempps hat der Aufsichtsrat Mercedes-Chef Eckhard Cordes düpiert. Cordes war ebenfalls für den Posten im Gespräch. Laut "Manager Magazin" soll er den Aufsichtsrat nun um die Auflösung seines Vertrags gebeten haben. Der Aufsichtsrat habe um Bedenkzeit gebeten. Cordes soll erklärt haben, dass er für die schwierige Sanierung von Mercedes das volle Vertrauen des Aufsichtsrates benötige. Nach der Entscheidung der Kontrolleure glaube er allerdings nicht mehr, die volle Unterstützung zu haben.

Im zweiten Quartal hat Daimler-Chrysler trotz eines Gewinnrückgangs wegen der teuren Smart-Sanierung die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Operating Profit fiel auf 1,7 Milliarden Euro von 2,1 Milliarden ein Jahr zuvor, teilte der Konzern mit. Ohne die Smart-Belastungen hätte der Wert bei 2,0 Milliarden Euro gelegen. Der Überschuss stieg dank eines guten Finanzergebnisses und geringerer Ertragssteuern um 28 Prozent auf 737 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um 4 Prozent auf 38,4 Milliarden Euro.

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