Schrempp zum Zweiten: Nichts Neues

- Wilmington - Für Jürgen Schrempp war es eine kurze Pflichtübung: Drei Stunden stellte er sich vor Gericht in Wilmington im US-Staat Delaware den Fragen der Anwälte zur Fusion von Daimler-Chrysler, dann flog der Konzernchef bereits wieder nach Deutschland zurück. Gebracht habe die auf Wunsch der Kläger anberaumte neue Befragung nichts, urteilte die Daimler-Seite. Kläger-Anwalt Terry Christensen sieht dies anders.

<P>Es sei klarer geworden, dass Schrempp den Zusammenschluss von Daimler und Chrysler schon früh als Übernahme des US-Konzerns geplant habe, sagte Christensen. Geklagt hat der Milliardär und ehemalige Chrysler-Großaktionär Kirk Kerkorian, der Schrempp Täuschung der Investoren vorwirft und eine Milliarde Dollar fordert.<BR><BR>Bei der erneuten Befragung Schrempps, der bereits im Dezember an drei Tagen im fensterlosen Gerichtssaal vor Richter Joseph Farnan aussagen musste, ging es vor allem um Dokumente, die Daimler-Chrysler den Anwälten der Klageseite erst mit Verspätung übermittelt hatte. Brisant waren die Unterlagen nach Einschätzung der Daimler-Anwälte nicht. Es sind handschriftliche Protokollnotizen des ehemaligen Chrysler-Finanzchefs Gary Valade aus dem Jahr 1998, die nach Ansicht der Daimler-Anwälte nur ihre Position untermauern, nach Ansicht Christensens aber bisher unbekannte Einblicke in Daimlers Pläne vermitteln.<BR><BR>Immer wieder fordert Christensen Schrempp auf, ganze Passagen oder einzelne Sätze aus den teils schwer zu entziffernden Protokollnotizen zu lesen. Mehrfach muss Schrempp, der bei seinem vierten Auftritt insgesamt locker und sicher wirkt, passen. Er könne auch nur raten, was Valade da gemeint habe.<BR><BR>Oft gibt Schrempp nur knappe Antworten: "No, Sir." "Yes, Sir." Doch manchmal holt er länger aus und bemüht sich zu erklären, dass die Gespräche im Februar und März 1998 keine echten Verhandlungen waren, sondern vor allem "Brainstorming", bei dem alles auf den Tisch kam. Auch etwa die Gefahr, dass die Fusion als Übernahme und nicht als Zusammenschluss unter Gleichen gewertet werden könnte und wie man diesem Eindruck entgegentreten könne.<BR><BR>Gestern wurde das Verfahren mit der Befragung Valades fortgesetzt. Nun haben beide Seiten Gelegenheit, ihre Schlussplädoyers schriftlich einzureichen. Mit einem Urteil rechnet die Daimler-Seite nicht vor Sommer.<BR><BR></P>

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