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Schröder bei MTU für industrielle Lösung

- Friedrichshafen/Stuttgart - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat an die Eigentümer des Dieselmotorenherstellers MTU Friedrichshafen appelliert, beim anstehenden Verkauf eine Zerschlagung zu verhindern. Bei einer Wahlkampfkundgebung in Friedrichshafen am Bodensee sagte der Kanzler am Freitagabend: "Sorgt für eine industrielle Lösung, die die Technologie in Deutschland hält und die die Arbeitsplätze sichert." Ein Sprecher von DaimlerChrysler sagte zur Rede des Kanzlers am Sonntag in Stuttgart: "Wir werden selbstverständlich beim Verkauf der MTU die Interessen des Standortes und die der Mitarbeiter berücksichtigen."

Der Mehrheitseigner der MTU Friedrichshafen, die DaimlerChrysler AG, und die Gesellschafter der Gründerfamilien streiten seit Monaten über einen geeigneten Käufer. Dabei geht es im wesentlichen um die die US-Gesellschaft Carlyle und den Maschinenbaukonzern MAN. DaimlerChrysler und die Gründerfamilien werden sich am 1. September treffen. Dabei ist nach Informationen von Branchenkennern vom Samstag noch offen, ob es zu einer gemeinsamen Lösung kommt. Das Klima zwischen beiden sei derzeit nicht das beste, hieß es aus Insiderkreisen. Der Ort des Treffens wurde nicht genannt. DaimlerChrysler hält 88 Prozent an MTU, die Familien 12 Prozent. Der Autobauer will sich von dem Unternehmen trennen, weil es nicht zum Kerngeschäft gehört.

MTU-Betriebsrat und Gewerkschaften befürchten, dass ein Finanzinvestor wie die US-Gesellschaft Carlyle, den die Familien Schmid-Maybach und Zeppelin-Brandenstein bevorzugen, nur kurzfristige finanzielle Interessen verfolgen könnte. Das Traditionsunternehmen MTU, das Dieselmotoren für Schiffe, Bahnen und auch für Panzer herstellt, hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro gemacht. Eine solche Summe wurde in Medienberichten mehrmals als möglicher Verkaufspreis genannt. Die MTU GmbH hat in Friedrichshafen etwa 5000 Mitarbeiter.

MTU-Beschäftigte forderten bei der Kundgebung auf Spruchbändern unter anderem "Keine Machtspiele zum Nachteil der Belegschaft". Der MTU-Betriebsrat hatte Schröder vor 14 Tagen bereits in einem Brief um Unterstützung und Vermittlung gebeten. Der Kanzler lud den Betriebsratsvorsitzenden Karl-Heinz Wulle zu Gesprächen noch vor der Bundestagswahl nach Berlin ein. Betriebsratssprecher Manfred Frank zeigte sich am Sonntag "angenehm überrascht" über Schröders Engagement. Er gebe die Hoffnung nicht auf, dass es noch vor dem Gesellschaftertreffen eine gütliche Einigung geben könnte. "Die Belegschaft braucht jetzt Ruhe", sagte er. Der Streit über den Verkauf könne auch die MTU-Kunden in aller Welt verunsichern.

Schröder betonte: "Wir haben keinen direkten politischen Einfluss auf die Entscheidungen der Eigentümer des Unternehmens. Das ist so in einer Marktwirtschaft." Für MTU komme jedoch nach Auffassung der Bundesregierung keine Lösung in Frage, "die das Unternehmen zerschlägt, in Einzelteile aufteilt, von dem dann nichts mehr zu sehen ist".

Schröder erinnerte daran, dass MTU auch Rüstungsgüter produziert. Unter Hinweis darauf, dass einige Juristen die Anwendung des Außenwirtschaftsgesetzes bei einer MTU-Veräußerung ins Ausland bezweifeln, kündigte Schröder kämpferisch an: "Es soll niemand unseren Willen unterschätzen, es anwendbar zu machen, wenn es noch nicht anwendbar ist."

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