Schröder und Putin bauen Partnerschaft aus

- Gestärkt durch das Bündnis gegen den Irak-Krieg wollen Russland und Deutschland auch ihre Wirtschaftsbeziehungen zu einer langfristigen strategischen Partnerschaft ausbauen. "Die Energiepolitik ist eine wichtige strategische Ausrichtung unserer Zusammenarbeit", sicherte Präsident Wladimir Putin am Donnerstag Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Jekaterinburg zu.

<P>Jekaterinburg  - Zum Abschluss der sechsten deutsch-russischen Regierungskonsultationen wurden gemeinsame Wirtschaftsprojekte vor allem im Energiesektor mit einem Gesamtvolumen von mehr als 1,5 Milliarden Euro vereinbart. Schröder lobte die Beziehungen zu Russland und zu seinem Duz-Freund Putin als "kaum verbesserbar". </P><P>In internationalen Fragen gebe es ein "riesiges Maß an Übereinstimmung". Der Kanzler würdigte das "atemberaubende Tempo" des russischen Wirtschaftswachstums und gleichzeitig "das Reformtempo unter Führung Putins". Die Bedingungen für die Ausweitung von Handel und Investitionen in Russland seien spürbar besser geworden.</P><P>Das ehrgeizigste Projekt, eine für Donnerstag erwartete Erklärung zum Bau einer etwa sechs Milliarden Euro teuren Erdgas-Pipeline durch die Ostsee, wurde zunächst verschoben. "In den kommenden zwei bis drei Tagen sollten die Unterlagen unterschrieben sein", kündigte Putin an. Deutschland darf in Kürze als erstes NATO-Land Militärgüter über russisches Territorium transportieren. Somit kann die Bundeswehr Nachschub für die Internationale Schutztruppe in Afghanistan (ISAF) mit Hilfe der russischen Eisenbahn ans Ziel bringen.</P><P>Berlin und Moskau vereinbarten eine sicherheitspolitische Arbeitsgruppe zu den Themen Kampf gegen den internationalen Terror sowie Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Außenminister Joschka Fischer bekräftigte im Gespräch mit seinem Kollegen Igor Iwanow die Bedenken der EU zur Lage im Konfliktgebiet Tschetschenien sowie Zweifel an einer demokratischen Wahl des neuen Präsidenten Achmat Kadyrow.</P><P>Putin und Schröder zeigten sich einig in der Forderung nach einer führenden Rolle der Vereinten Nationen im Irak. Berlin hält die für den 23. und 24. Oktober geplante internationale Irak-Geberkonferenz für verfrüht und die Erwartungen der USA für zu hoch.</P><P>Russland und Deutschland vereinbarten in Jekaterinburg eine Reihe von Wirtschaftsprojekten. So will der Düsseldorfer Energiekonzern E.ON mit russischen Partnern ein Gas- und Dampfkraftwerk für 500 Millionen Euro südlich von Moskau bauen. Das Unternehmen Wintershall und die russische Gasprom planen, gemeinsam in Westsibirien ein Gasfeld für 700 Millionen Euro zu erschließen. Die Essener Ferrostaal kündigte den Bau einer Ammoniak-Anlage für 400 Millionen Euro an.</P><P>Für die Verschrottung von 120 russischen Atom-U-Booten stellt Deutschland 300 Millionen Euro bereit. Den Auftrag zur Projektkoordinierung erhielten die Energiewerke Nord (EWN) in Lubmin (Ostvorpommern). Die Deutsche Bahn und die russische Eisenbahn vereinbarten bessere Bedingungen im Güter- und Personenverkehr.</P>

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