Schröder: Top-Job in Putins Reich

- Wologda - Altbundeskanzler Gerhard Schröder wird bei der zukünftigen Ostsee-Gaspipeline von Russland nach Deutschland im Aufsichtsrat die Interessen der beteiligten Energieversorger vertreten. Das gab der Vorstandschef des russischen Gasförderers Gasprom, Alexej Miller, nach dem Baubeginn für das erste Teilstück der Röhre in der nordrussischen Stadt Wologda bekannt.

Die vier Milliarden Euro teure Leitung wird ab 2010 knapp ein Drittel des deutschen Gasverbrauchs abdecken. Schröder sei bereit, "Verantwortung im Aufsichtsrat der neu gegründeten Gesellschaft zu übernehmen", hieß es in Schröders Büro. Russische Medien hatten berichtet, Präsident Wladimir Putin werde seinem Freund Schröder ein wichtiges Amt im Umfeld von Gasprom antragen. Laut "Berliner Zeitung" wird er Aufsichtsratsvorsitzender.

Die Opposition kritisierte Schröders Engagement beim Bau der Gas-Pipeline. "Das stinkt", sagte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer. Es sei "bemerkenswert", dass der Altkanzler jetzt das Aushängeschild für Gasprom abgebe, das zur neuen Nomenklatura in Russland gehöre, auf die sich die autoritäre Regierung Putin stütze. Rainer Brüderle, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP, sagte: "Ein ehemaliger Bundeskanzler darf den Verdacht gar nicht erst aufkommen lassen, zwischen öffentlichem und privatem Interesse nicht unterscheiden zu können."

Keine Bedenken hatte dagegen die Antikorruptionsorganisation Transparency International. Ein Aufsichtsratsvorsitz sei "durchaus etwas, was ein prominenter Ex-Politiker tun kann," erklärte der Deutschland-Vorsitzende Hansjörg Elshorst. Missbrauch sei erst bei "übermäßiger Entlohnung" gegeben.

Die Freude an den Feierlichkeiten zum Baubeginn ließen sich die Vertreter Deutschlands und Russlands von der Personalie freilich nicht nehmen. Gemeinsam mit dem russischen Ministerpräsidenten Michail Fradkow signierte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos 400 Kilometer nördlich von Moskau, die ersten Rohre der Pipeline, die verschweißt wurden. Die 2100 Kilometer lange Leitung von Nordrussland bis nach Greifswald-Lubmin soll in Zeiten steigender Nachfrage nach Energieträgern die Versorgung des deutschen Marktes sichern.

Gasprom hält 51 Prozent, die Töchter der Konzerne Eon und BASF, Ruhrgas und Wintershall, je 24,5 Prozent der Anteile. Abzweigungen nach Großbritannien und Skandinavien sind in Planung. Die Ostsee-Pipeline ist wirtschaftlich und politisch umstritten. Mit ihrer Inbetriebnahme wächst die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas. Zudem fühlen sich die bisherigen Transitländer Polen und Ukraine übergangen. Glos widersprach Befürchtungen, in Abhängigkeit von Russland zu geraten: "Die Energiepartnerschaft mit Russland ist heute etwas Selbstverständliches, und die neue Pipeline wird sie weiter verstärken."

Die Ostsee-Pipeline soll zunächst 27 Milliarden und später 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Deutschland bringen. Kritiker halten sie für überdimensioniert und zu teuer. Dagegen sagte der Eon-Vorstandschef Wulf Bernotat, die Pipeline sei notwendig, weil in Westeuropa ab 2010 eine Versorgungslücke drohe.

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