Schrottimmobilien: Frist läuft ab

- München - Nach der Wiedervereinigung begann - staatlich gefördert - ein beispielloser Bauboom, vor allem im Osten. Immobilien und geschlossene Immobilienfonds wurden teils wie Zeitschriften an Haustüren vertrieben. Mit dem Versprechen von hohen Renditen, Mietgarantien und Steuerersparnis wurden die Beteiligungen unters Volk gebracht. Der Preis dafür war hoch.

<P>"Ende der 80er-Jahre begann die wohl flächendeckendste Abzocke in der Geschichte der Bundesrepublik", sagt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Randhir K. Dindoyal, der eine Reihe von Mandanten auch aus Bayern vertritt. Berater und Banken hätten sich zusammengetan, um schwer verkäufliche Immobilien gewinnbringend an Bezieher aller Einkommensklassen zu verhökern. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu eine halbe Million Bürger geschädigt wurden.<BR>Oft wurden die Opfer sogar am Arbeitsplatz oder zu Hause angerufen und gefragt, ob sie nicht Steuern sparen und eine Altersvorsorge aufbauen wollten, erzählt Dindoyal. <BR><BR>Ein typischer Fall: Gerichte geben geprellten Anlegern Hoffnung</P><P>Ein gut verdienender Münchner kaufte zwei Altbauwohnungen in Chemnitz für 400 000 DM. Diese sollten renoviert und für 20 DM pro Quadratmeter vermietet werden. Die gegebene Mietgarantie erwies sich als wertlos, weil der Garantiegeber mittlerweile pleite gegangen ist. Die Steuerersparnis ist ausgelaufen. Zurück bleibt eine Immobilie, die nicht den versprochenen Ertrag bringt und nur unter Wert verkauft werden könnte - und die Kreditverpflichtung.<BR><BR>Da nun der Immobilien-Käufer mit nur einer Unterschrift unter einem Treuhandvertrag auf das Geschäft eingegangen war, könne dieser nichtig sein. Der "Rundum-sorglos-Vertrag" regelte alles: Das Verhältnis zum Bauträger, zu der Bank, die das Darlehen bereit stellte, dem Mietgarantie-Geber und so fort. Dabei handle es sich nicht nur um eine Verkaufs-, sondern um eine Rechtsberatung, so Dindoyal. Und diese dürften nur Anwälte leisten. Sei das nicht der Fall gewesen, so bestünden gute Aussichten, den Treuhandvertrag für nichtig zu erklären und das Geschäft wieder rückgängig zu machen. Doch da gibt es einen Haken. Durch das Schuldrechtsmodernisierungsgesetz hat sich die Verjährungsfrist von 30 auf drei Jahre verkürzt. Das heißt, dass alle Schadenersatzforderungen von Anlegern, die vor dem 1. Januar 2002 gekauft haben, mit Ende dieses Jahres verjähren. Rechtsanwalt Dindoyal vermutet, dass Silvester 2004 bei Vermittlern und Banken die Sektkorken ganz besonders knallen werden. "Viele Vermittler antworten nicht auf unsere Schreiben und tauchen ab", sagt Dindoyal. Sie spielten offensichtlich auf Zeit.<BR><BR>Bei vielen Vermittlern knallen die Sektkorken</P><P>Teils seien Verträge auch sittenwidrig, weil Schrottimmobilien zu exorbitant überhöhten Preisen verkauft wurden. <BR><BR>Auch für Anleger mit geschlossenen Immobilienfonds gibt es neue Hoffnung. Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen II ZR 374/02, 393/02, 395/02 und 407/02) urteilte, dass es sich beim Beitritt zu einem Immobilienfonds und dem Abschluss des Darlehensvertrages um ein verbundenes Geschäft handelt, so dass der Anleger Ansprüche auch gegenüber der Bank geltend machen kann. Aber auch hier droht die Verjährung. "Wer vor dem 1. Januar 2002 Anteile an einem geschlossenen Immobilienfonds erworben hat, sollte noch in diesem Jahr handeln", rät auch Rechtsanwalt Jörg Hartmann. Auch andere geprellte Anleger können hoffen. "Der Bundesgerichtshof hat am 19. Juli 2004 ein aus Anlegersicht erfreuliches Urteil (Aktenzeichen II ZR 354/02) im Zusammenhang mit Beteiligungen in Form der atypisch stillen Gesellschaft verkündet", teilt die Münchner Kanzlei Bergdolt mit. Danach hätten Anleger Anspruch auf Rückzahlung der geleisteten Einlage, wenn sie bei Abschluss der Verträge mangelhaft über die Risiken und Chancen des Anlageobjekts aufgeklärt worden sind. Das betreffe auch viele Beteiligungen der Göttinger Gruppe bzw. der Securenta AG, die bis November 2000 massiv solche Beteiligungen vertrieben habe. Auch diese Ansprüche auf Rückzahlung der Einlagen verjähren am 31. Dezember.<BR><BR><BR></P>

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