Schüler sollten Nachhilfelehrer gründlich auf die Probe stellen

- Etwa eine Milliarde Euro geben Eltern pro Jahr für den Nachhilfeunterricht ihrer Kinder aus. Entweder bezahlen sie einen privaten Nachhilfelehrer, der meist nach Hause kommt, oder sie schicken den Sprössling an eines der 3000 gewerblichen Nachhilfeinstitute, die etwa ein Viertel des Marktes abdecken. Neben einer Vielzahl von einzelnen Instituten gibt es vier, die ihre Dienste deutschlandweit anbieten. Die Stiftung Warentest hat die Institute untersucht.

Anbieter

Die beiden größten Anbieter - Studienkreis und Schülerhilfe - haben je etwa 1000 Niederlassungen. Das Lernstudio Barbarossa hat ein vergleichsweise kleines Netz von 160 Filialen und die erst 2005 gegründete Berlitz Kids & Teens erst 53 Niederlassungen.

Vor der Auswahl

Bevor überhaupt an den teuren Nachhilfeunterricht gedacht wird, muss mit dem Kind über die Probleme gesprochen werden. "Das Kind sollte bereit sein zu lernen", sagen die Tester. Wenn die zusätzliche Büffelei nur von den Eltern ausgehe, seien die Erfolgsaussichten gering. Auch soll die Nachhilfe nur vorübergehend sein und der zuständige Lehrer befragt werden. Am häufigsten werden Mathematik-, Englisch- und Deutschunterricht nachgefragt.

Beratung und Vertrag

Die Beratung ließ im Test manchmal zu wünschen übrig. Das Testheft empfiehlt: Lassen Sie sich möglichst von mehreren Anbietern vor Ort beraten und schließen Sie den Vertrag erst nach zufriedenstellenden Probestunden. Das Leistungsvermögen des Kindes sollte wirklich analysiert werden. Achten Sie auch auf die Mindestlaufzeit des Vertrages und die Kündigungsfrist. Die großen Institute haben eine Mindestvertragslaufzeit von einem halben Jahr. Bei Privatlehrern und bei einigen kleinen Instituten gibt es - kundenfreundlich - meist keine Vertragsbindung. Auch die Zusammensetzung der Lerngruppen ist wichtig. Üblicherweise sind drei bis fünf Schüler im Gruppenunterricht, es werden mitunter aber auch bis zu neun Nachhilfeschüler von nur einem Lehrer betreut.

Qualität

Eine staatliche Aufsicht von Nachhilfeinstituten gibt es nicht. Im Prinzip kann jeder so ein Institut eröffnen. Fragen Sie nach Ausbildung und Werdegang der Lehrer. Die Gütegemeinschaft Ina-Nachhilfeschulen hat Qualitätskriterien (www.ina-schulen.de) aufgestellt. Bisher sind aber erst sieben Institute mit einem Gütesiegel versehen worden. Der Studienkreis will sich in den nächsten Jahren vom Tüv Rheinland prüfen lassen.

Bei der Befragung gaben 28 Prozent der Teilnehmer an, dass sich die Schulnoten durch die Nachhilfe erheblich verbessert hätten, 51,4 nannten "etwas verbessert" und 17,8 "unverändert" (2,8 Prozent gaben an, dass die Schulnoten sich verschlechtert hätten). Bei privat organisierter Nachhilfe fielen die Ergebnisse noch eine Spur günstiger aus. Über 70 Prozent würden das Institut oder den Nachhilfelehrer uneingeschränkt weiterempfehlen.

Kosten

Die Preise für eine Doppelstunde (90 Minuten) reichen nach Angaben der Anbieter von 7 bis 32 Euro für Gruppen- und von 16 bis 64 Euro für Einzelunterricht. In der Regel werden zwei Doppelstunden in der Woche angeboten. Die vier großen Institute verlangen zwischen 99 und 146 Euro pro Monat für zwei wöchentliche Doppelstunden. Meist kommt noch eine Anmeldegebühr, oft in Höhe von 35 Euro, dazu. Laut der Befragung von Stiftung Warentest geben Eltern durchschnittlich 750 Euro im Jahr für private Nachhilfe aus. Bei Instituten dagegen lassen sie doppelt so viel: im Schnitt 1550 Euro.

Alternative

Private Nachhilfe ist oft günstiger. Erkundigen Sie sich bei anderen Eltern oder in der Schule. Auch in Zeitungen stehen häufig Annoncen von Privatlehrern. An Studenten kommt man auch über Nachfragen bzw. Aushänge an den Universitäten ran.

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