Schufa nimmt Firmenchefs unter die Lupe

München - Bislang hat die Schufa Kreditauskünfte über Privatverbraucher gegeben, jetzt können sich Banken und Geschäftspartner auch über ein Unternehmen samt Firmenchef informieren. Irrtümer und Missbrauch nicht ausgeschlossen.

Die Schufa weitet ihre Geschäfte aus. Nachdem die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung über 80 Jahre lang Informationen über Privatpersonen gesammelt hat, kümmert sie sich jetzt auch um Unternehmen – und deren Chefs. Für 9,50 Euro gewährt die Schufa nun Einblicke in deren finanzielle Lage. „Das ist ein Quantensprung für uns“, schwärmt Tilo Walter, Leiter Business Development der Schufa BusinessLine, gegenüber unserer Zeitung. „Wir haben innerhalb von drei Jahren einen riesigen zweiten Datentopf aufgebaut und darin eine Verknüpfung zwischen den Personen und den Unternehmen geschafft.“

In der neuen Datenbank finden sich Informationen über alle Betriebe in Deutschland – das sind 1,4 Millionen Datensätze mit „allem drum und dran“, wie Walter erklärt. So gibt die neue Kompaktauskunft seit Juli dieses Jahres Antworten auf Fragen wie: In welcher Branche ist der Betrieb tätig? Wer ist Geschäftsführer, welche Firmen leitet dieser noch, wo wohnt er und wie alt ist er? Wie viele Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen? Wie hoch ist der Umsatz? Gibt es Erfahrungen mit Zahlungsgewohnheiten? Wie hoch ist die Bonität? Bei welcher Bank ist die Firma und welche Informationen hat das Handelsregister gespeichert? Eine enorme Menge sensibler Daten.

Jeder der einen Kredit vergeben oder Geschäftsverbindungen eingehen will, ist berechtigt diese Information einzusehen, sagt der Schufa-Manager. „Eine nicht berechtigte Einsicht kann man nicht in letzter Konsequenz ausschließen. Wir kontrollieren aber in regelmäßigen Stichproben“, antwortet Walter auf die Frage, ob nicht auch ein Wettbewerber, getarnt als potenzieller neuer Lieferant, einen Blick in die Daten werfen könnte. Allerdings seien die meisten dieser Informationen sowieso öffentlich zugänglich. Nur diese zu sammeln, sei in der Praxis oft schwer und zeitaufwändig. „Je kleiner ein Unternehmen ist, umso schwerer kommt man an Informationen“, sagt Walter. „Unser Ziel ist es, Prüfprozesse zu vereinfachen, damit mehr Kredite an kleine und mittelständische Betriebe vergeben werden.“

Bereits in der Vergangenheit habe sich gezeigt, das Schufa-Auskünfte in den meisten Fällen dazu führen, dass Geschäfte zustande kommen, betont er. Um ein Unternehmen richtig bewerten zu können, müsse man doch wissen, wie es um die Personen dahinter steht, argumentiert der Schufa-Manager. „Dieses Interesse ist nennenswert und wurde auch vom Bundesgerichtshof bestätigt.“ In der Praxis läuft das folgendermaßen ab: Ordert eine Bank die Kompaktauskunft der Firma XY GmbH, dann erfährt sie gleichzeitig ob der aktuelle Chef der XY GmbH eine eidesstattliche Versicherung abgegeben oder eine Privatinsolvenz angemeldet hat. „Liegen öffentliche Negativ-Merkmale gegen einen Firmenchef vor, dann stehen diese auch in der Kompaktauskunft“, sagt Walter. Und das unter Umständen über einen sehr langen Zeitraum.

Eine Privat-Insolvenz fällt drei Jahre nach Verfahrens-Ende wieder aus dem System, eine Firmen-Insolvenz nie. Das heißt in der Praxis, fängt ein Unternehmer nach einer Firmenpleite wieder neu an und ein interessierter Neukunde holt sich bei der Schufa eine Kompaktauskunft über den neuen Betrieb, sieht er zwar nicht explizit die vorangegangene Pleite. „Aber sie hat Einfluss auf die Bonitätsbewertung des neuen Unternehmens“, sagt Walter. Das heißt, die Kreditwürdigkeit wird schlechter eingestuft. Das Interesse an dem neuen Angebot ist groß: In den ersten sechs Wochen hätten sich bereits mehrere hundert Kunden gefunden – „das ist viel, wenn man bedenkt, dass die Schufa in den vergangenen 80 Jahren in der Summe 5000 Kunden für das klassische Geschäft generiert hat“, sagt Walter.

Die Kritik von Verbraucherschützern und dem Verbraucherschutzministerium, die Daten der Schufa seien oftmals falsch oder veraltet und daher schädlich, kann er nicht verstehen. „Wir sind überzeugt, dass wir ganz aktuelle Daten haben“, sagt er. Nur weil – wie in Studien bemängelt – Datensätze nicht vollständig seien, „heißt das doch nicht, dass sie deshalb falsch sind“. Doch 100-prozentige Sicherheit kann es nicht geben. Auch nicht bei der Schufa. „Die Schufa gibt jedes Jahr 100 Millionen Auskünfte. Bei dieser enormen Menge kann man nicht gewährleisten, dass man 100 Millionen Mal richtig liegt“, sagt Schufa-Presse-Chef Christian Seidenabel. Viel wichtiger sei: Fällt ein Fehler auf, beseitige ihn die Schufa umgehend und unkompliziert.

Stefanie Backs

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