Schuften für den Staat: Jeder zweite Euro geht an den Fiskus

- Die Steuerbelastung deutscher Arbeitnehmer liegt deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Im Durchschnitt müssen Bürger und Betriebe über die Hälfte ihres Einkommens an den Staat abdrücken, wie der Bund der Steuerzahler (BdSt) ausgerechnet hat. Die Belastung durch direkte Steuern und Abgaben lag 2006 bei 52 Prozent, heuer steigen sie weiter ­ auf 53 Prozent.

Gleichzeitig belegt die Studie des BdSt, dass die Belastung je nach Einkommenshöhe und Familientypus stark schwankt. Diese Differenzierung ist möglich, da der Bund die Steuern und Abgaben nicht wie beim OECD-Vergleich am Bruttosozialprodukt, sondern am Volkseinkommen misst und zwischen neun typischen Arbeitnehmer-Haushalten unterscheidet. Hier zeigt die Entwicklung seit 1970: Eine deutliche Verschärfung der Steuerbelastung ist niemandem erspart geblieben. Einzige Ausnahme: relativ gering verdienende Familien mit Kindern. Eine Umverteilung von oben nach unten hat demnach zwar stattgefunden ­ allerdings, so kritisiert der Bund der Steuerzahler, auf Kosten des Mittelstands: "Die mittleren Einkommen sind am wenigsten entlastet worden", sagte BdSt-Präsident Karl Heinz Däke in Berlin.

Zur Einkommensbelastung kommen in Deutschland Mehrwert-, Mineralöl-, Kraftfahrzeug-, Tabak- und Grundsteuer, die Konzessionsabgabe auf Strom sowie die Steuern für Heizenergie und Stromverbrauch hinzu. Dass sich diese Abgaben bei Familien potenzieren, versteht sich von selbst. Auf sie wirkt sich die "größte Steuererhöhung der Nachkriegsgeschichte" deshalb zusätzlich negativ aus: Der Arbeitsplatz zu Hause kann beispielsweise kaum mehr steuerlich geltend gemacht werden, beim Kindergeld wurde die Bezugsdauer vom 27. auf das 25. Lebensjahr verkürzt, und die Entfernungspauschale darf nunmehr erst ab dem 21. Kilometer in Anspruch genommen werden. Dagegen hat der BdSt bereits mehrere Musterverfahren bei Finanzgerichten anhängig.

Kritik äußert der Steuerzahlerbund an der Gesundheitsreform, die ­ wie von Finanzminister Peer Steinbrück angekündigt ­ ab dem Jahr 2010 zunehmend über Steuern finanziert werden soll, und an der Mehrwertsteuererhöhung. Dies treffe vor allem die Steuerzahler mit geringem Einkommen hart. Der BdSt schlägt deshalb vor, "Güter des lebensnotwendigen Bedarfs" ermäßigt zu besteuern: Dazu sollten verschreibungspflichtige Medikamente, Sehhilfen, Elektrizität, Müllabfuhr oder alkoholfreie Getränke zählen.

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