Schuhmacher in der elften Generation

Mittelstand im Blickpunkt: - Vom kleinen Schusterbetrieb zu einer Weltmarke. Die Firma Meindl aus Kirchanschöring setzt auf Kontinuität und Qualität und ist damit recht erfolgreich. Doch der fehlende Nachwuchs bereitet den Brüdern Lars und Lukas Meindl Sorgen.

Kirchanschöring - Über eine Million Paar Schuhe verkauft Meindl jedes Jahr - von Bergstiefeln und Wanderschuhen, über Freizeit- und Nordic-Walking-Schuhe bis hin zu Haferl- und Spezialschuhen. Keine Billig-Treter für 19,99 Euro, sondern hochwertige Ware, in der nicht nur zwei Stunden Handarbeit und rund 200 Arbeitsschritte pro Schuh stecken, sondern auch raffinierte Technologien. Wie der "MFS-Vakuum-Schaum", der sich durch die Körpertemperatur dem Fuß immer wieder neu anpasst.

Für solche Tüfteleien ist Lukas Meindl zuständig. Der 41-Jährige führt die Geschäfte des Betriebs im Landkreis Traunstein zusammen mit seinem Bruder Lars (38), der die kaufmännische Seite abdeckt. "Wir ergänzen uns ganz gut", meint der Jüngere der Meindl-Brüder.

Sie sind mittlerweile die 11. Generation, die in der 3000-Einwohner-Gemeinde Kirchanschöring - ein "verhältnismäßig kleines Dorf" wie die Orts-Homepage verrät - Schuhe fertigt. Die Familientradition reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück, der Stammsitz blieb dabei immer der gleiche.

Überhaupt setzen die Meindls sehr viel auf Tradition. "Das Schlimmste wäre, wenn wir in irgendeine Mode hineinstolpern, die dann starken Schwankungen unterworfen ist", sagt Lars Meindl. Er setzt lieber auf ein ruhiges, aber dafür konstantes Wachstum. "Wir denken nun mal langfristig."

In Mittel- und Nordeuropa sei der Name Meindl im Outdoor-Bereich bekannt, und über Partnerfirmen sind sie auch in den USA oder Neuseeland vertreten - "darauf sind wir stolz", sagt Lars Meindl, "aber die Welt ist groß, das können wir noch steigern". Aber nicht überhastet, sondern wohlüberlegt - "Schritt für Schritt", wie die Brüder betonen. Eine Philosophie, die dem Bergsteigen ähnelt: Wer es zu schnell angeht, schafft es nicht auf den Gipfel.

Mit dem Bergbereich macht Meindl immer noch den meisten Umsatz. Zur Zeit sei die Nachfrage so hoch, dass die rund 230 Angestellten in der Traunsteiner Produktion rund um die Uhr arbeiten könnten. Zehn zusätzliche Mitarbeiter habe man daher allein für die Boden-Montage neu angestellt.

Für einen kurzfristigen Boom hält Lars Meindl den Trend zum Freizeitsport in der Natur nicht. Er sieht darin eine langfristige Entwicklung, nur die momentane Hochphase sei wetterbedingt.

Ein Meindl-Bergschuh kostet ab 150 Euro aufwärts - "ein Haufen Geld", weiß auch Lars Meindl. Dennoch hält er den Preis für vernünftig, wenn man an die hohe Qualität denke.

Die Ansprüche seien enorm gestiegen: "Vor 15 Jahren war jedem, der sich einen neuen Bergschuh gekauft hat, klar, dass er sich die erste Zeit über Blasen holt, bis er den Schuh eingelaufen hat", erklärt Lars Meindl. "Heute aber muss ein Schuh robust und trotzdem weich und sofort passend sein", sagt sein Bruder Lukas. Und neben der Funktion werde auch die Optik immer wichtiger.

Mit Schuh-Technikern und -Modelleuren versuchen die Meindls, ihre Schuhe weiter zu verbessern. "Wir lenern auch viel aus praktischer Erfahrung", sagt Lars Meindl. Ob durch Reklamationen von Kunden, Test-Teams oder Spezialaufträge. So statteten die Meindls nicht nur die GSG 9 mit Schuhen aus, sondern auch eine Polarexpedition und die Mitarbeiter eines Kühlhauses. Dabei müssen die Schuhe Extrem-Situation standhalten, und einzelne Ideen können später in die Standard-Modelle übernommen werden.

Um diese Entwicklung voranzutreiben, braucht es Fachkräfte. Doch die seien rar gesät. "Wir haben ein wahnsinniges Nachwuchsproblem", sagt Lukas Meindl. Nicht nur, dass sich immer weniger Lehrlinge bei ihm melden, "viele haben auch das Niveau nicht, um als Techniker zu bestehen", meint der Firmenchef. Dabei sei das Stellenangebot in diesem Bereich gut, man könne international arbeiten und trage eine hohe Verantwortung. "Wenn ich 20 Jahre in die Zukunft schaue, dann sieht es richtig schlecht aus", befürchtet Lukas Meindl, "es bricht irgendwie alles weg."

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