Schuh-Preziosen in der 13. Generation

- München - Die beste Werbung für die Langlebigkeit der berühmten Eduard-Meier-Schuhe macht die geschäftsführende Gesellschafterin der Eduard Meier GmbH selbst: Das Schuhwerk, das Brigitte Meier an diesem Tag zu einer Trachtenkombination trägt, ist 15 Jahre alt. Und das sieht man ihnen nun wirklich nicht an. "Nun ja, sie könnten besser geputzt sein", schmunzelt sie. Seit 1985 teilt sich die 42-Jährige die Geschäftsführung mit ihrem Bruder Peter Eduard Meier. Das Geschwisterpaar bildet in direkter Linie die

Drei Jahre tüfteln für eine Verpackung

13. Generation des 1596 erstmals als Schuhmacherei des Hans Mayr im Münchner Stadtarchiv urkundlich erwähnten Unternehmens. Durch die Titel Hoflieferant der Könige von Sachsen und der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen gewann es zunehmend an Bedeutung, die Auszeichnung als Königlich Bayerischer Hoflieferant 1895 machte es über die Grenzen Bayerns bekannt.

Die beiden ergänzen sich erstklassig: Sie ist für Damenmode verantwortlich und kümmert sich ums Praktische wie die Einstellung von Personal oder die Dekoration im Geschäft. Er ist der nachdenkliche Tüftler, der schon mal mitten im Gespräch innehält, um festzustellen: "Diese Hirschhornknöpfe sind eigentlich vier Millimeter zu dünn." In einem aber sind die Perfektionisten gleich: In der Hingabe zu ihrem Geschäft, in dem Schuhe nur ein Lieblingsartikel unter vielen sind, und das Peter Eduard Meier als "Spielzeugladen für Erwachsene" begreift. Und so haben sie aus den Räumlichkeiten in der Residenzstraße eine wahre Preziose im englischen Landadelstil gemacht mit den Mahagoni-Vitrinen, in denen neben Jagdmessern Reiseaccessoires aus feinstem Leder dekoriert sind, oder dem antiken Schaukelpferd, dessen Echthaarschweif an diesem Vormittag dem ungestümen Test auf Kindertauglichkeit zweier Mädchen standhalten muss.

Schon früh war klar, dass sie als Duo das Geschäft weiterführen werden. Die gelernte Einzelhandelskauffrau Brigitte Meier sagt: "Mir hat es schon als Kind Spaß gemacht, Dinge zu dekorieren." Auch der Umgang mit Menschen liegt ihrem Naturell. Bei ihm hat es ein klein wenig länger gedauert. Mit 15 Jahren hat der Handelsfachwirt Feuer gefangen, als er intensiv "beim Vater" gejobbt hat. "Mich hat beeindruckt, wie viel vifer die Lehrlinge waren als ich, was die Tagespragmatik anging, wie lebensnah sie waren. Und das, obwohl ich eine Schule besuchte, in der uns die Lehrer vermittelten, zur so genannten Elite zu gehören." So sehr die Meiers geschäftliche Entscheidungen im Konsens fällen, bei der Frage nach der nächsten Generation stocken sie beide, wenn auch nur kurz. "Ich habe beschlossen, dass mein Bruder dafür verantwortlich ist", lacht Brigitte Meier und grinst ihn frech an.

300 Passformen für ein einzelnes Schuhmodell

"Ach so ist das", antwortet er. "Na ja, schauen wir mal", sagt er und zwinkert fröhlich.

Den Kern des Geschäfts, das Meiers mit den weit mehr als 8000 Artikeln so erfolgreich ausgebaut haben, bilden nach wie vor Schuhe. Die exklusiven Maßschuhe mit Preisen ab rund 1500 Euro machen nur einen ganz kleinen Teil des Angebots aus. Daneben gibt es rahmengenähte Herrenschuhe hochwertigster Hersteller und den Eduard Meier Peduform-Schuh, den er selbst vor 15 Jahren entwickelt hat. Der 44-Jährige nennt den "Gesundheitsschuh, der gut aussieht", auch "Bananen-Schuh", weil die Silhouette von oben betrachtet leicht von außen nach innen gekrümmt ist. Das ursprüngliche Modell hat er mittlerweile schon viele Male überarbeitet. In vier Weiten werden Peduform-Schuhmodelle angeboten, dazu kann der Kunde zwischen verschiedenen Leistenformen wählen. Das macht pro Modell rund 300 Passformen statt der standardmäßigen elf, nämlich einer Version pro Größe.

Die Geschwister Meier, die rund 20 Mitarbeiter beschäftigen, sind keine kühlen Rechner, die nur auf Zahlen schauen. Er hat beispielsweise drei Jahre an der Verpackung für seine Schuhpflege tüfteln lassen. "Ich war einfach immer noch nicht zufrieden." Und sie hat gerade einen Traum von einem Dirndl entworfen, das es pünktlich zum Oktoberfest zu kaufen gibt: "Es steckt unglaublich viel Stoff besten Materials darin, sodass allein der Produktionspreis dem entspricht, was man sonst für ein sehr gutes Dirndl ausgibt." Aber sie macht es trotzdem, weil sie das perfekte Dirndl anbieten wollte. Und sicherlich auch, weil sie weiß, dass sich unter ihren Kundinnen, die aus den höchsten Kreisen stammen, trotz des Preises die eine oder andere Abnehmerin finden wird.

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