Ausbildung

Schulabgänger suchen Berufs-Klassiker

München - Das wollen, was alle wollen - so lautet offensichtlich die alljährliche Parole der Schulabgänger. Es gibt rund 350 verschiedene Ausbildungsberufe, aber über die Hälfte der Neuverträge entfällt auf nur 20 Favoriten.

Kauffrau oder Kaufmann im Einzelhandel, das ist Jahr für Jahr deutschlandweit der Ausbildungsberuf mit den meisten neuen Lehrlingen. An die 36 000 zählte das Statistische Bundesamt im Jahr 2007 - das sind über 10 000 mehr als der auf Rang zwei stehende Beruf des Verkäufers. Es gibt klare Favoriten bei den Jugendlichen und einen klaren Gegensatz zwischen dem, was Mädchen und dem, was Buben wollen.

Einzig die kaufmännische Ausbildung findet sich bei beiden unter den Top 5 der beliebtesten Berufe, auf die seit Jahren rund 20 Prozent der neu abgeschlossenen Verträge entfallen. Über die Hälfte der Schulabgänger wählt einen Beruf aus den Top 20.

Regelrecht fixiert seien viele Jugendliche auf eine ganz bestimmte Lehre, sagt Katrin Wurm, Berufsberaterin der Münchner Arbeitsagentur. Über Alternativen hätten die meisten noch gar nicht nachgedacht. Dabei gibt es allein in ihrem Bezirk regelmäßig freie Lehrstellen für rund 200 verschiedene Berufe - 350 offizielle Ausbildungsberufe gibt es insgesamt.
Doch bei der Wahl ihrer beruflichen Zukunft greifen die Jugendlichen immer wieder auf die Klassiker zurück. Während weibliche Azubis traditionell vermehrt Dienstleistungsberufe wählen, sind bei den männlichen Schulabgängern eher die handwerklichen, technischen Lehrberufe angesagt. Erst in den letzten Jahren würden auch Buben den Dienstleistungssektor verstärkt für sich entdecken, sagt Katrin Wurm.

Das ist mit ein Grund, warum sich das Berufe-Ranking bei den männlichen Azubis die Jahre über stärker verschoben hat als bei den weiblichen. Seit 1993 hat sich bei Letzteren das Bild kaum verändert - konstant halten sich die Berufe Büro- und Einzelhandelskauffrau, Friseurin und Arzthelferin (aktuell Mediznische Fachangestellte) in der Hitliste.

Bei den männlichen Azubis hingegen rutschte beispielsweise der Beruf des Maurers Jahr für Jahr auf der Beliebtheitsskala nach unten und taucht seit zwei Jahren gar nicht mehr unter den Top 20 auf. Im Jahr 1993 zählten die Statistiker noch knapp 18 000 neue Lehrverträge, jetzt sind es weit unter 5000. Hier könnte ein Rolle spielen, dass sich viele Jugendliche genau überlegen, ob sie einen körperlich anstrengenden Beruf wie den des Maurers wählen wollen, bei dem sie zudem viel Zeit im Freien verbringen müssen, erklärt Berufsberaterin Wurm. "Die meisten ziehen einen Job im trockenen Büro vor." Auch sei nicht von der Hand zu weisen, dass Berufe aus der Baubranche bei den Jugendlichen generell nicht hoch im Kurs stehen.

Dagegen erlebte der Beruf des Kochs einen wahren Höhenflug. Seit 1993 hat sich die Anzahl der Neu-Azubis auf 18 000 verdoppelt. Hier sehen die Berufsberater einen direkten Zusammenhang mit den vielen Kochsendungen im Fernsehen - die TV-Köche werden zu Idolen, denen die Jugendlichen nacheifern wollen. Das habe sich aber im vergangenen Jahr wieder etwas beruhigt, "die größte Welle dürfte vorbei sein", sagt Wurm.

Die größte Welle ist auch in der Kfz-Branche vorbei. Zwar steht der Kfz-Mechatroniker nach wie vor an erster Stelle bei den männlichen Schulabgängern. Aber die Anzahl der Azubis in diesem Beruf schrumpft von Jahr zu Jahr, bei gleichbleibender Stellenzahl. "Das Niveau ist durch die zunehmende Technisierung deutlich höher geworden", sagt eine Sprecherin der Arbeitsagentur. Viele Bewerber schaffen die Einstiegshürden nicht mehr. Das ziehe sich durch viele handwerklichen Berufe, die insgesamt spezieller geworden seien.

Es fehlen qualifizierte Azubis. Ein Grund, weswegen viele Arbeitgeber freie Lehrstellen nicht besetzen konnten - rund 3000 waren es Ende 2008 in Oberbayern. Das hat zur Folge, dass Arbeitgeber mit ihren Ansprüchen etwas runtergehen, sagt die Sprecherin. "Sie sind aufgeschlossener und schauen nicht mehr stur allein auf die Schulnoten." Nur komplett ohne Schulabschluss hätten es Jugendliche weiter "ganz schwer".

Stefanie Backs

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