Schuldenfalle: So brechen Sie aus dem Teufelskreis aus

- Ein großes Haus, ein schnelles Auto - wer sein Leben auf Pump finanziert, kann ganz schnell in die Schuldenfalle geraten. Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Scheidung sind oft Ursachen, die Privatpersonen in den finanziellen Ruin treiben. Die privaten Verbraucherpleiten nehmen drastisch zu. Allein für die ersten fünf Monate dieses Jahres hat das Statistische Bundesamt 25 201 private Insolvenzen registriert. Im Mai wurden 5196 Verbraucher zahlungsunfähig, im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Anstieg um 46 Prozent. Ursache hierfür sind jedoch auch Gesetzesänderungen, die das Insolvenzverfahren für Verbraucher vereinfacht haben. Seit 1999 bietet sich jedoch im Rahmen eines mehrstufigen Verbraucherinsolvenzverfahrens die Chance, Schulden wieder loszuwerden.

Einigung ohne Gericht

Experten der Arag-Versicherungen geben Schuldern Tipps, was zu tun ist, wenn sie der Schuldenberg unter sich begräbt. Wenn der Schuldner ein gerichtliches Insolvenzverfahren beantragen möchte, muss er nachweisen, dass er sich innerhalb der letzten sechs Monate bemüht hat, eine außergerichtliche Einigung zur Regulierung mit seinen Gläubigern zu erzielen. Ein Anruf bei den Gläubigern mit der Bitte um Stundung oder Teilerlass der Schulden reicht nicht aus. Vielmehr muss der Schuldner allen Gläubigern einen konkreten Vorschlag zur Schuldenbereinigung unterbreiten.

Schuldenplan

Bleiben die außergerichtlichen Einigungsversuche erfolglos, kann der Schuldner beim Amtsgericht den Antrag auf Eröffnung eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens stellen. Zu diesem Zweck muss der Antragsteller einige Unterlagen bereithalten: Eine Bescheinigung über die außergerichtlichen Einigungsversuche, die der Schuldnerberater ausstellt, ein Vermögensverzeichnis, je ein Verzeichnis der Gläubiger und der gegen ihn gerichteten Forderungen sowie seinen Antrag auf Restschuldbefreiung. Jetzt fehlt noch der so genannte Schuldenbereinigungsplan. Der darf durchaus den Vorschlägen zur Schuldenbereinigung aus dem außergerichtlichen Einigungsversuch ähneln, besonders, wenn etwa ein Teil der den Vorschlägen zugestimmt hat. Mit diesem Schuldenbereinigungsplan besteht eine weitere Möglichkeit, eine gütliche Einigung herbeizuführen. Das Gericht hat dabei weiter reichende Kompetenzen als der Schuldner und kann beispielsweise die Zustimmung einzelner Gläubiger unter bestimmten Voraussetzungen ersetzen.

Insolvenzverfahren

Bleibt auch das gerichtliche Einigungsverfahren ohne Resultat, folgt das Verbraucherinsolvenzverfahren. Dieses ist im Verhältnis zum Unternehmensinsolvenzverfahren viel einfacher. Sind die Vermögensverhältnisse überschaubar und die Zahl der Gläubiger oder die Höhe der Schulden gering, kann das Verfahren schriftlich erfolgen. Hat der Schuldner einen Antrag auf Restschuldbefreiung gestellt, muss er nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens noch sechs Jahre lang den pfändbaren Betrag seiner Bezüge an einen Treuhänder abführen, der die Beträge gleichmäßig an alle Gläubiger verteilt. Während dieser so genannten Wohlverhaltensperiode muss der Schuldner einer angemessenen beruflichen Tätigkeit nachgehen oder sich im Falle der Erwerbslosigkeit um eine solche bemühen.

Restschuldbefreiung

Verhält der Schuldner sich redlich, steht am Ende die Restschuldbefreiung durch Entscheidung des zuständigen Amtsgerichts. Der Schuldner wird von den Ansprüchen, die zu Beginn des Insolvenzverfahrens gegen ihn bestanden, befreit. Lediglich die Kosten für das Insolvenzverfahren muss der Schuldner nach den sechs Jahren noch übernehmen. Die Höhe der Raten legt das Gericht fest.

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