Die größten Sorgenbringer

EU-Krise macht Deutschen am meisten Angst

Berlin - Die Angst vor der Schuldenkrise in Europa ist in den Köpfen der Deutschen fest verankert. Dagegen machten sich so wenig Menschen wie zuletzt 1994 Sorgen um ihren Job.

Wie im Vorjahr bereiten die Schieflage der Euro-Zone und daraus resultierende Kosten für den Steuerzahler den Menschen zwischen Flensburg und den Alpen die größten Sorgen, wie aus der am Donnerstag in Berlin veröffentlichen Studie „Die Ängste der Deutschen 2012“ der R+V Versicherung hervorging.

„Fast drei Viertel aller Deutschen befürchten, dass sie die Rechnung für die Euro-Schuldenkrise bezahlen müssen“, sagte die Leiterin des Infocenters der Versicherung, Rita Jakli. Mit 73 Prozent erreicht diese Furcht demnach den zweithöchsten Wert, der jemals in der Ängste-Studie gemessen wurde - zugleich eine Steigerung von drei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Dahinter folgen die Angst vor einem Zusammenbruch des Euro (65 Prozent) und die Sorge über Missmanagement bei den EU-Institutionen. 60 Prozent aller Befragten sehen die Finanz- und Wirtschaftskraft Deutschlands durch Beschlüsse der Europäischen Union gefährdet.

Am Donnerstagnachmittag wollte die Europäische Zentralbank in einer mit Spannung erwarteten Sitzung über den Kauf von Anleihen angeschlagener Eurostaaten entscheiden. Damit sollen die Zinsen der Krisenländer sinken und das Vertrauen in die Währungsunion steigen.

Steigende Lebenshaltungskosten treiben Deutsche um

Für die repräsentative Studie werden seit mehr als 20 Jahren jeweils rund 2.500 Bürger nach ihren größten Sorgen befragt. Neben einer gesonderten Erhebung zu aktuellen Themen umfasst die Studie einen festen Katalog an alljährlichen Fragen.

Darin ist 2012 die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten mit 63 Prozent erneut Spitzenreiter - zum 13. Mal in den vergangenen 20 Jahren. Mit 55 Prozent rangiert die Furcht vor der Überforderung der Politiker auf dem zweiten Platz, gefolgt von der Befürchtung, dass sich die Wirtschaftslage verschlechtern könnte. Die Sorge vor einem Konjunktureinbruch liegt gegenüber dem Vorjahr um vier Prozentpunkte höher: Sie kletterte von 48 auf 52 Prozent.

Angst vor Jobverlust sinkt auf tiefsten Stand seit 1994

Je tiefer die Fragen ins Privatleben abzielten, desto gelassener zeigten sich die Deutschen: Ängste vor Jobverlust, Krankheit und Straftaten gingen deutlich zurück. Der Studie zufolge macht jeden dritten Deutschen die Sorge vor Arbeitslosigkeit zu schaffen - der tiefste Stand seit 1994. Vor dem Hintergrund des aktuell robusten Arbeitsmarktes zeige das Ergebnis, „dass sich das Risiko, arbeitslos zu werden, nur auf einen Teil der Beschäftigten konzentriert, beispielsweise auf die geringer qualifizierten Arbeitnehmer“, sagte der Politologe Manfred Schmidt, der die Studie begleitet.

Die Angst, ein Pflegefall zu werden, nimmt zwar nicht zu. Mit 50 Prozent liegt sie allerdings noch immer auf Platz fünf des Rankings. Deutlich an Bedeutung verloren haben hingegen die Ängste vor Terroranschlägen und die Beteiligung Deutschlands an einem Krieg. 39 Prozent aller Befragten fürchteten sich vor einem Attentat - der niedrigste Wert seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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