Schuldenkrise und Konjunkturflaute:

Banken machen weniger Gewinn

Frankfurt/Stuttgart - Die Risiken sind hoch, das Zinsniveau niedrig: Ernst & Young sieht magere Zeiten auf Deutschlands Banken zukommen.

Im ersten Halbjahr 2012 gingen die Gewinne bereits auf Talfahrt, eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Schuldenkrise und Konjunkturflaute haben sich negativ in den Bilanzen deutscher Groß- und Landesbanken niedergeschlagen. In den ersten sechs Monaten 2012 erzielten sie 42 Prozent weniger Gewinn als vor einem Jahr, wie die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Insgesamt sei das Nettoergebnis der 13 untersuchten Finanzinstitute von 9,3 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro geschrumpft.

Besonders belastend wirkte sich nach den Angaben die schwächelnde Konjunktur aus. Denn die Banken erhöhten aus Sorge vor steigenden Kreditausfällen ihre Risikovorsorge um mehr als die Hälfte von 1,7 auf 2,5 Milliarden Euro. Weitere Belastungen drohen den Banken aus ihren Engagements in Euro-Krisenländern, betonte Ernst & Young: In Spanien, Italien, Portugal, Irland und Griechenland haben die deutschen Groß- und Landesbanken insgesamt Kredite und Anleihen in Höhe von 143 Milliarden Euro vergeben.

Dabei fallen vor allem die Kredite in Spanien und Italien mit 57 beziehungsweise 54 Milliarden Euro ins Gewicht, während die Institute ihre Risiken in Griechenland auf 1,8 Milliarden Euro verringert hätten. „Die meisten Banken verfolgen derzeit das Ziel, sich von inzwischen zum Teil hochriskanten Kreditengagements in den Krisenländern zu trennen“, sagte Dirk Müller-Tronnier, Leiter des Bankenbereichs bei Ernst & Young. Griechenland spiele dabei kaum noch eine Rolle. Denn die hohen Abschreibungen von etwa 75 Prozent auf griechische Staatsanleihen seien verarbeitet: „Von dieser Seite drohen also kaum noch Risiken.“

Deutlich mehr Sorge bereite die Konjunkturentwicklung in Spanien und Italien, wo Unternehmenskredite von zusammen knapp 50 Milliarden Euro in den Büchern der Banken stünden. Hinzu kommen Staatsanleihen im Wert von 36,5 Milliarden Euro und Kredite an Banken in Höhe von 25,3 Milliarden Euro, sagte Müller-Tronnier: „Solange sich die wirtschaftliche Talfahrt im Süden Europas fortsetzt, drohen weitere Verluste aus Kreditengagements vor allem bei Banken und Unternehmen aus den Krisenländern.“

Bei 11 der 13 untersuchten Banken ging im ersten Halbjahr das Nettoergebnis im Vergleich zum Vorjahr zurück, eine Bank schrieb rote Zahlen. Das mit Abstand höchste Konzernergebnis verbuchte die Deutsche Bank, die vor Steuern 2,8 Milliarden Euro verdiente - knapp 2 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr.

Müller-Tronnier ist überzeugt: „Die Banken stehen vor schwierigen Monaten: Die Konjunktur in Deutschland bereitet zunehmend Sorgen - steigende Insolvenzzahlen erhöhen das Risiko von Kreditausfällen.“ Zudem bleibe die Entwicklung in der Eurozone weitgehend unberechenbar: „Europa ist noch weit von einer nachhaltigen Lösung des Schuldenproblems entfernt.“

Da die Konzernergebnisse der Banken stark von der Entwicklung der Euro- und Staatsschuldenkrise sowie deren Auswirkungen auf die Kapitalmärkte beeinflusst würden, seien die Aussichten von großen Unsicherheiten geprägt: „Gewinne wie im Vorjahr dürften für die meisten Banken kaum zu erzielen sein.“

Weil gleichzeitig die Zinsen im Keller sind, was die Gewinne schmälert, sieht Müller-Tronnier die Banken weiter auf Schrumpfkurs - auch beim Personal. Die Deutsche Bank hatte bereits angekündigt, noch in diesem Jahr 1900 Arbeitsplätze abzubauen, 1500 davon im Investmentbanking. Auch die Commerzbank prüft einen Stellenabbau.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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