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Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern

Schuldenkrise: Das sagen Bayerns Genossenschaftsbanken

München - Über die Schuldenkrise sprach der Münchner Merkur mit Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, dem unter anderem die Volks- und Raiffeisenbanken angehören.

Der Chef des Bundesverbands deutscher Banken hat unlängst von einer „Kriegserklärung“ der Politik an die Banken gesprochen. Ist das Verhältnis wirklich derart angespannt?

Es gibt ja nicht die Banken. Es gibt auf der einen Seite die Großbanken, die im internationalen Investmentbanking unterwegs sind. Auf der anderen Seite gibt es die Universalbanken, zu denen die Volks- und Raiffeisenbanken gehören. Und zumindest zwischen uns und der Politik gibt es keine derartigen Spannungen. Natürlich haben auch wir einige Punkte, die wir mit der Politik klären müssen. Aber da sind wir auf einem ganz ordentlichen Weg.

Können Sie den weltweit wachsenden Unmut über die Auswüchse der Finanzbranche nachvollziehen?

Ja, das kann ich. Allerdings warne ich davor, jetzt alles nur auf die Großbanken zu schieben. Wir haben eine Krise etlicher Institutionen. Dazu gehört auch die Politik. Sie hat vor der Lehman-Pleite 2008 durch Deregulierung zugelassen, dass sich solche Auswüchse entwickelt haben. Und sie hat seither nicht die richtigen Schritte unternommen, um sie wieder einzudämmen.

Was müsste unternommen werden, um die Finanzbranche nachhaltig zu stabilisieren?

Es ist sicher notwendig, dass etliche Banken ihre Geschäfte mit mehr Eigenkapital unterlegen – aber differenziert nach Geschäftsmodell und Risikomodell. Wenn wir einem Mittelständler einen Kredit geben, damit er sich eine Maschine kaufen kann, müssten wir das nach den aktuellen Planungen künftig mit bis zu 67 Prozent mehr Eigenkapital unterlegen. Das ist Unsinn und steht in keinem Verhältnis zu den viel geringeren Anteilen, die man im Investmentbanking hinterlegen muss. Aber auch bei der Staatsfinanzierung muss dringend etwas passieren.

Inwiefern?

Zum einen ist es nicht nachvollziehbar dass Staatsanleihen nach wie vor nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Das ist ein Unding. Zum anderen muss es ein Ende haben, dass viele Staaten über ihre Verhältnisse leben, wie sie es seit Jahrzehnten tun. Das hat entscheidend mit dazu beigetragen, das Finanzsystem in die Grütze zu fahren.

Die EU will systemrelevanten Banken wohl eine Eigenkapitalquote von neun Prozent vorschreiben. Wäre das auch für die bayerischen Genossenschaftsbanken schaffbar?

Wir haben Eigenkapitalquoten von mehr als zwölf Prozent. Das tangiert uns also überhaupt nicht.

Interview: Andreas Zimniok

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