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Günther Picker, Chef des Bayerischen Bankenverbands.

Schuldenkrise: Das sagen Bayerns Privatbanken

München - Über die Schuldenkrise sprach der Münchner Merkur mit Günther Picker, geschäftsführender Vorstand des Bayerischen Bankenverbands, dem 83 Privatbanken angehören.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat ihre Branche scharf kritisiert: Was schiefgehe, werde verstaatlicht, was gut laufe, bleibe privat. Herrscht in der Finanzbranche wirklich so ein „Verlustsozialismus“?

Damit liegt Gabriel völlig daneben. Er lässt außer Acht, dass der Staat hohe Steuern kassiert hat, als bei den Banken alles gut lief. Da kann man schon fragen, warum er keine Vorsorge getroffen hat für den Fall, dass es mal nicht so gut läuft.

Einige Spitzenpolitiker plädieren für eine Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanking. Was halten Sie davon?

Nichts. Banken müssen ja auch Gewinne machen, und in den traditionellen Bereichen sind eben kaum Gewinne möglich. Der Investmentbereich subventioniert also das traditionelle Geschäft.

Man kann das auch anders sehen. Manche sagen: Im Investmentbanking werden Milliarden verzockt, und für die Mittelstandsfinanzierung ist dann kein Geld da.

Das ist nicht richtig. Wir haben viel Geld in den Kassen, aber der Mittelstand will keine Kredite haben. Deshalb müssen wir uns Ersatzgeschäfte suchen und Anlagen kaufen – möglichst natürlich solche, die eine ordentliche Verzinsung bringen und wenig Eigenkapital in Anspruch nehmen. Das traf bislang auf Staatspapiere zu. Deshalb haben unsere Leute bisher so viele Staatsanleihen gekauft. Aber es ist mehr als fraglich, ob das so weiter geht.

Warum das?

Die aktuellen Erfahrung zeigen, dass diese Papiere viel riskanter sind, als man gedacht hat. Wir werden den Staaten ihre Anleihen also nicht mehr unter den alten Bedingungen, also ohne Sicherheiten, abnehmen können. Dafür müssten wir viel höhere Zinsen verlangen. Eine höhere Zinsbelastung würde die politische Handlungsfreiheit des Staates einschränken, vor allem auch im sozialen Bereich. Man kann den Staaten also nur raten: Macht das, was Bayern macht, und hört auf, noch mehr Schulden zu machen.

Umgekehrt hat auch die EU konkrete Vorstellungen, was die Banken tun sollen: Die Rede ist von einer Aufstockung der Eigenkapitalquote auf neun Prozent. Ist das machbar?

Für unsere Mitglieder sehe ich da kein Problem. Die Staatsschuldenkrise tangiert hierzulande weniger als in anderen europäischen Ländern. Die deutschen Banken haben verhältnismäßig wenig griechische Anleihen, und auch wenig Geld in anderen hochverschuldeten Ländern wie Italien, Portugal und Spanien. Unsere Institute werden die Abschreibungen, die jetzt anstehen, verkraften können. Und deshalb werden sie sich auch leichter als ausländische Banken damit tun, neues Kapital zu bekommen.

Interview: Andreas Zimniok

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