Schummeln kostet den Schutz

- Was ein Kreuzbandriss und eine Ehe-Therapie mit Versicherungspolicen zu tun haben, erfuhr Petra S. aus München erst vor kurzem schmerzlich. Der Antrag der 41-jährigen Übersetzerin für eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) wurde von mehreren Versicherern abgelehnt. Ein Kreuzbandriss vor zwei Jahren, der unkompliziert verheilt war, könne einmal zu Rücken- und Kopfbeschwerden führen.

Mit einem Antrag für eine private Krankenzusatzversicherung war S. nicht erfolgreicher: Der wurde abgelehnt, weil sie eine Ehe-Therapie mitgemacht hat. Ihr Fazit: "Ist man einmal Patient, hat man keine Chance mehr, eine Police zu erhalten."

Nichts verschweigen

Der Appell von Verbraucherschützern, Policen, bei denen der Gesundheitszustand relevant ist (BUV, Risikolebensversicherung, private Unfall- oder Krankenversicherung), in jungen Jahren abzuschließen, solange man noch gesund ist, erklingt immer lauter. Denn die Versicherer werden zunehmend wählerischer, was ihre Klientel angeht. Sie wollen das Risiko minimieren, im Schadensfall leisten zu müssen.

Vor allem bei psychischen Beschwerden hagelt es Ablehnungen. Denn sie sind der Hauptgrund geworden, warum Arbeitnehmer frühzeitig aus ihrem Beruf aussteigen müssen. In manchen Branchen sind über ein Drittel aller Fälle auf psychische Probleme zurückzuführen, wie Versicherungsvertreter sagen.

Arztbesuche angeben

Doch Vorerkrankungen im Antrag zu verschweigen aus Angst vor einer Ablehnung, kann zum Verhängnis werden, warnt Hedwig Telkamp, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern in München. Um der Zahlungspflicht zu entgehen, forschen Versicherer nämlich im Schadensfall mit detektivischem Spürsinn nach, ob ihr Kunde Beschwerden im Antrag unterschlagen hat ­ fahrlässig oder absichtlich. Und: Es entgeht ihnen nichts. Dritte entbindet man schon im Antrag per Unterschrift von der Schweigepflicht.

"Jeder Besuch bei einem Arzt oder einem Therapeuten ist als Minimum im Antrag anzugeben", sagt Telkamp. Eine Bronchitis, depressive Verstimmungen, ein verstauchter Knöchel, Erschöpfungssyndrom und Kopfschmerzen gehören genauso in den Antrag wie Besuche beim Psychologen, Masseur oder Physiotherapeuten. Je nach Unternehmen muss man drei bis fünf Jahre zurückliegende ambulante Behandlungen dokumentieren. Von Versicherern, die mehr als fünf Jahre untersuchen, sollte man Abstand nehmen, raten Verbraucherschützer.

Auch von Policen, die auf Gesundheitsfragen verzichten, hält Telkamp nicht viel. "Sie sind nur für diejenigen interessant, die gesundheitliche Probleme haben". Der Versicherer geht mit diesem Kundenstamm ein hohes Risiko ein, in Leistung treten zu müssen und verlangt deshalb wesentlich höhere Beiträge. Gleichzeitig sind solche Verträge meist gespickt mit Ausschlüssen: Das Unternehmen leistet beispielsweise dann nicht bei Schäden, die auf Krankheiten oder Beschwerden der letzten drei Jahre zurückzuführen sind.

Mehrere Anträge

Bei manchen Vorerkrankungen versichern die Unternehmen den Kunden, klammern aber Folgen der Beschwerden aus dem Versicherungsschutz aus. Damit geht der Kunde ein hohes Risiko ein, jahrelang Beiträge zu bezahlen und am Ende keine Leistung zu erhalten. Besser ist es, man handelt einen Vollvertrag aus mit einem Risikozuschlag.

Da Unternehmen den Gesundheitszustand unterschiedlich bewerten, sollte man Probeanträge bei verschiedenen Versicherern stellen. Allerdings werden sofort namentlich alle Anträge und auch ihre Ablehnungen in einem zentralen Datenpool, der "Uniwagnis-Datei" gesammelt, auf die alle Unternehmen Zugriff haben. Meist orientieren sich Versicherer an den Entscheidungen, die andere Unternehmen bereits getroffen haben. Die Lösung: anonyme Voranfragen. Dies ist aber nur über einen Versicherungsvertreter möglich.

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