Schund oder Schatz?

Erbstücke: - Was alt ist, muss nicht unbedingt Geld bringen - aber es kann. Um den Wert von Erbstücken genau bestimmen zu können, sind Experten gefragt. Die lassen sich ihre Dienste allerdings gut bezahlen.

Der eher unscheinbare geerbte Schrank störte in der modern eingerichteten Wohnung und sollte auf den Sperrmüll. Bis ein Freund den eindringlichen Rat gab, das offensichtlich alte Stück doch einmal von einem Experten schätzen zu lassen. Mit dem Ergebnis, dass das Möbel kurz darauf in einem Hamburger Auktionshaus für 6200 Euro zur Versteigerung angeboten wurde. Tischler hatten es im 19. Jahrhundert in Lothringen gefertigt.

"Im Zweifelsfall die Gegenstände schätzen lassen", rät die promovierte Kunstsachverständige Dorothée Rather in Hamburg, die als Gutachterin arbeitet und regelmäßig zwischen Wert und Schund unterscheidet. "Wert und Echtheit sind für Laien und selbst für Experten oftmals nur schwer zu beurteilen", betont Hermann Specht vom Bundesverband des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels (BDKA) in Hamburg.

Eine Trennung vom Alten scheint heute leichtzufallen. "Wir leben in einer Generation, bei der Erbstücke für den Eigenbesitz nicht mehr so hoch im Kurs stehen", urteilt Rather. Obwohl Kunst als Geldanlage neuerdings eine nicht zu unterschätzende Größe darstellt. So kommen regelmäßig Kunden zu Antiquitätenhändlern und meinen, dass alles, was alt ist, auch Geld bringen muss. Sie sind dann oft enttäuscht, wenn ein geringerer Wert genannt wird.

"Die Erwartungen sind überwiegend zu hoch", sagt die unabhängige Schätzerin Ingrid Petersen aus München. Sie gibt ihren Kunden Verkaufstipps und auch Hinweise, ob vielleicht eine Restaurierung eine Wertsteigerung bedeuten könnte.

Die Experten lassen sich ihr Wissen gut honorieren. Petersen verlangt einen Stundensatz von 95 Euro inklusive Mehrwertsteuer plus Fahrtkosten und Ausgaben etwa für Fotos. "Bei umfangreicheren Bewertungen, beispielsweise Haushalten, werden auch Pauschalen vereinbart." Das Auktionshaus Schopmann in Hamburg stellt bis zu einem Wert von 7000 Euro ein Honorar von 200 Euro plus Mehrwertsteuer in Rechnung. Bei Gutachten höherwertiger Stücke werden drei Prozent des Schätzwertes verlangt. Weitere gutachterliche Stellungnahmen sind teurer.

Wer den Wert seiner Ware nicht kennt, läuft Gefahr übervorteilt zu werden. So ist es wichtig, auch bei einer Nachlassregelung Bestandsaufnahmen des Besitzes zu machen, wenn alte Gegenstände oder Kunstwerke vorhanden sind. Bei Bildern lohnen gründliche Untersuchungen besonders. Ein Ölgemälde des Frachtseglers "Passat" wurde in Hamburg auf 6800 Euro geschätzt, ein kleines mit der Darstellung eines Walfangschiffes unter Segeln auf 400 Euro. Dem Fachmann verraten Material und Farbe fast alles.

Selbst bei Möbeln dürfte der Laie den Wert kaum schätzen können. Ein 300 Jahre altes Barockstück ohne Gebrauchsspuren für 500 Euro ist pure Illusion, urteilt die Branche. Ein Schrank, der mit auf antik getrimmten Messingbeschlägen "aufgefrischt" wurde, sieht teurer aus als ein Stück, um das sich lange niemand gekümmert hat. Hier erkennt nur der Experte das Alter und kann einen Richtpreis nennen.

"Teure Markenporzellane wurden schon im 18. Jahrhundert kopiert", bemerkt Rather und verweist darauf, dass auch auf diesem Sektor Spreu vom Weizen zu trennen ist. Das trifft für alte Bücher ebenfalls zu. Vom Nachmachen "altrömischer" Münzen oder "Statuetten aus der Pharaonenzeit" leben heute Banden. Archäologische Spitzenstücke finden sich im Privatbesitz sehr selten, darin sind sich Antiquitätenhändler einig.

In vielen Erbschaften finden sich auch Briefmarkensammlungen, in denen Raritäten auftauchen. "Es gibt in Deutschland 150 Experten, von denen sich jeder auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert hat", erklärt Helmut Oechsner, Geschäftsführer des Bundes Philatelistischer Prüfer in Nürnberg. Sein Rat: "Marken, die einen Katalogwert von mehr als 100 Euro haben, sollten geprüft werden." Dafür werden Gebühren bis zu vier Prozent des Wertes fällig.

Weitere Informationen:

www.antikcheck.de

Hier können Interessierte die Münchner Kunsthistorikerin Ingrid Petersen kontaktieren (Hiltlstr. 14, 82131 Gauting bei München, Tel: 089/89 33 79 22).

www.kunstversteigerer.de

Hier stellt sich der Bundesverband Deutscher Kunstversteigerer e.V. (BDK) vor (Geschäftsstelle: Friedrichstraße 45, 65185 Wiesbaden, Tel.: 0611/3 60 08 33).

www.antiquare.de

Hier gelangen Besucher zum Verband Deutscher Antiquare e. V., der eine Liste mit Antiquaren und Sachverständigen aus ganz Deutschland führt.

www.bpp.de

Auf dieser Webseite präsentiert sich der Bund Philatelistischer Prüfer (Geschäftsstelle: Gustav-Weisskopf-Weg 13, 90411 Nürnberg, Tel.: 0911 / 5 21 68 61).

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