Versicherungen rund ums Auto im Test

München - Ob Unfall, Autokauf oder Ärger mit der Werkstatt – Verkehrsrechtsschutzversicherungen bieten weit mehr, als man denkt. Die Zeitschrift Finanztest hat 90 Tarife von 31 Anbietern geprüft. 29 Angebote sind empfehlenswert.

Pro Minute kracht es auf deutschen Straßen vier bis fünf Mal. Nicht immer ist klar, wer im Recht ist. In diesem Fall hilft eine Verkehrsrechtsschutzversicherung. Sie bezahlt Anwalt und Gutachter, wenn es Streit um die Schuldfrage gibt. Die Angebote unterscheiden sich vor allem darin, welche Personen und wie viele Fahrzeuge mitversichert sind.

Finanztest hat daher in der aktuellen Juli-Ausgabe Tarife für Singles mit einem Auto, für Familien mit einem und mehreren Fahrzeugen sowie für Personen ohne eigenes Auto unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Singles mit eigenem Auto können sich mit dem Tarif der BGV Badischen bereits für 65 Euro im Jahr versichern. Für Familien gibt es günstige Angebote ab 83 Euro. Finanztest empfiehlt grundsätzlich Tarife ohne Selbstbehalt (siehe Kasten).

Streit bei Autokauf und Reparaturen

Ist eine Rechtsschutz-Police überhaupt nötig? „Für alle, die viel im Straßenverkehr unterwegs sind, ist Verkehrsrechtsschutz sinnvoll“, rät Finanztest. Die Tarife würden allerdings nicht nur Autofahrer schützen, sondern auch Radfahrer und Fußgänger. Mit einer Police gehen die Versicherten kein finanzielles Risiko ein: Wenn sie Recht bekommen, muss der Gegner zahlen. Unterliegen sie vor Gericht, übernimmt die Versicherung die Kosten, die sich auf mehrere tausend Euro belaufen können.

Die Versicherung hilft allerdings auch, wenn der Streit nicht vor Gericht landet. Sie zahlt beispielsweise Gutachten oder die Anwaltskosten für den Schriftverkehr mit der gegnerischen Seite. Viele Tarife bieten zudem Rechtsschutz in Vertrags- und Sachenrecht. Das heißt: Auch bei juristischen Auseinandersetzungen rund um den Gebrauchtwagenkauf, bei Streit mit der Werkstatt etwa wegen überhöhter Rechnungen oder bei Ärger mit dem Mietwagenverleih greift die Versicherung.

Vorsicht vor Wartefristen

Allerdings gibt es auch bei der Verkehrsrechtsschutzversicherung Einschränkungen zu beachten: Bei vielen Tarifen gelten Wartezeiten – der komplette Versicherungsschutz setzt dann erst nach zwei bis drei Monaten ein. Wer den Verkehrsrechtsschutz zu häufig in Anspruch nimmt, kann von der Versicherung gekündigt werden. „Dieses Recht behalten sich viele Anbieter für den Fall vor, dass der Versicherungsnehmer zwei Rechtsschutzschäden pro Jahr meldet“, schreibt Finanztest. Bei Strafzetteln für Falschparken sollte man daher nicht unbedingt gleich die Versicherung einschalten.

Rechtsschutz ohne eigenes Auto

Den größten Rundum-Schutz bietet der Verkehrsrechtsschutz für Familien. Hier ist nicht nur der Versicherungsnehmer selbst, sondern alle Familienangehörigen abgesichert – auch wenn sie als Fußgänger und Radler unterwegs sind. Der Rechtsschutz gilt auch, falls Kinder im Bus oder in der Bahn zu Schaden kommen.

Wer kein eigenes Auto besitzt, aber viel im Straßenverkehr unterwegs ist, kann eine Fahrer-Rechtsschutzversicherung abschließen. Sie ist nicht an ein bestimmtes Fahrzeug gebunden, sondern an die versicherte Person. Der Schutz gilt also auch für den Mietwagen oder das von einem Freund geliehene Auto.

Der Fahrer-Rechtsschutz hat allerdings auch einen großen Haken: Viele Versicherer schließen Auseinandersetzungen im Vertrags- und Sachenrecht aus. Wer sich mit der Mietwagenfirma oder dem Carsharing-Anbieter streitet, muss dann die Kosten selbst übernehmen. Der ADAC und die Arag bieten Rechtsschutz im Vertrags- und Sachenrecht dagegen auch beim Fahrer- Rechtsschutz.

mm

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