"Schutz gegen Ansturm der Heuschrecken"

Hypo-Alpe-Adria Kauf: - Klagenfurt - Die BayernLB hat die größte Übernahme perfekt gemacht, die es je bei einer Landesbank gab. Durch den Kauf der Mehrheit an der österreichischen Hypo-Alpe-Adria-Bank werden Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser und der Kärntener Rechtspopulist Jörg Haider Geschäftspartner.

Es wirkte wie die Feier einer Verbrüderung, als die Geschäftspartner aus Kärnten und Bayern gestern in Klagenfurt ihr Milliardengeschäft besiegelten. Die Österreicher betonten mehrfach ihre Freude, dass "unsere bayerischen Freunde" künftig das Sagen bei der Klagenfurter Bank haben. Und der Kärntener Landeshauptmann Haider sah sich zu einem weiten Rückgriff in die Geschichte veranlasst. "Seit dem siebten Jahrhundert sind Bayern und Kärnten verbunden", erklärte er. "Die Alpenslawen haben Bayern um Hilfe gegen die anstürmenden Awaren geholt. Heute schützen sie uns gegen die anstürmenden Heuschrecken."

Für rund 1,63 Milliarden Euro kaufen die Münchner 50 Prozent plus eine Aktie an der Hypo-Alpe-Adria-Bank. Sperrig wirkt deren Name, aber er steht genau für die Region, in der die Bayerische Landesbank gute Geschäfte wittert: Alpenraum und Adria-Gebiet, Österreich und Südosteuropa.

Bislang setzte die BayernLB auf die ungarische MKB als "Brückenkopf" für ihr Osteuropa-Geschäft, wie Bank-Chef Werner Schmidt vor einem Monat auf der Bilanzpressekonferenz des Instituts in München betonte. Jetzt ist ein weiterer Stützpunkt in Klagenfurt dazugekommen und mit ihm 6700 neue Mitarbeiter. Dadurch beschäftigt die BayernLB künftig fast 17 000 Menschen. Die Alpe-Adria ist Österreichs sechstgrößte Bank und verfügt über starke Präsenz in Ländern wie Slowenien, Kroatien und Serbien. Also genau dort, wo die BayernLB bislang kaum vertreten ist. Und so feierte BayernLB-Chef Werner Schmidt die Übernahme gestern in Klagenfurt als "einmalige Win-Win-Situation für alle Beteiligten".

Bayerns Sparkassenpräsident Siegfried Naser betonte, die Übernahme werde den Sparkassen helfen, "unsere Marktposition im mittelständischen Firmenkundengeschäft weiter auszubauen". Und Finanzminister Faltlhauser nahm Haiders Vorlage auf: "Kärnten und Bayern, das passt geschichtlich, kulturell und wirtschaftlich."

Möglich wurde das Milliarden-Geschäft dadurch, dass die BayernLB einen hohen Preis bot - Bankbewertungen sollen die Alpe-Adria-Bank auf höchstens 3,1 Milliarden Euro taxiert haben, die BayernLB legt eine Bewertung auf 3,25 Milliarden Euro zugrunde - und dass sie eine Standort-Zusage für Klagenfurt gab.

Das war dem mit 45 Prozent größten Anteilseigner wichtig, dem von Jörg Haider geführten Bundesland Kärnten, das etwa die Hälfte seiner Anteile an die BayernLB verkauft, die selbst wiederum zur Hälfte dem Freistaat Bayern und den bayerischen Sparkassen gehört. Und so haben Bayerns Finanzminister Faltlhauser, der in der Staatsregierung für die BayernLB zuständig ist, und Haider mit dem Land Kärnten künftig ein gemeinsames Interesse an der Alpe-Adria-Bank.

Das österreichische Institut hat noch eine Spekulationsaffäre zu verdauen. Die Bank hatte rund 330 Millionen Euro Verluste aus Fehlspekulationen verheimlichen wollen, was zu staatsanwaltlichen Ermittlungen führte. Branchenkenner befürchten auch, dass die Bank noch in manchem osteuropäischen Land Leichen im Keller haben könnte. Dort gab es in der Vergangenheit umstrittene Geschäfte.

Ob der Kauf bedeutet, dass die BayernLB mit ihrem eigenen Gebot im Käufer-Wettstreit um die Landesbank Berlin ausscheidet, wollte Schmidt nicht sagen. Branchenkenner glauben aber: Noch eine Milliarden-Übernahme würde das Institut wohl überfordern.

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