Schutzschild für die Arbeitskraft

München - Die Bundesbürger versichern ihr Auto, ihr Haus und viele andere Dinge. Am Versicherungsschutz für die eigene Arbeitskraft wird dagegen häufig gespart. Das ist ein Fehler.

Die Absicherung der Arbeitskraft "ist ein Muss für jeden, der auf sein Arbeitseinkommen angewiesen ist", betont Hedwig Telkamp, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Das Risiko der Berufsunfähigkeit ist hoch: Etwa jeder Vierte fällt Schätzungen zufolge im Job aus, weil die Gesundheit nicht mehr mitspielt.

Neue Regeln

Das neue Versicherungsvertragsgesetz schafft seit Jahresbeginn nach Ansicht von Experten mehr Sicherheit für die Kunden. Wer sich die Police zulegt, darf jetzt darauf setzen, dass es der Versicherer im Ernstfall nicht mehr so leicht hat, die vereinbarte Rente zu verweigern. Denn die Unternehmen sind nun in der Pflicht, Antragsteller viel präziser als früher nach Gesundheitsstörungen zu fragen, wie Lilo Blunck vom Bund der Versicherten erläutert. "Künftig zählt nur, was auch gefragt wurde."

Beispiel: Hatte man beim Ausfüllen eines Antrags nicht erwähnt, dass man Jahre zuvor wegen Rückenschmerzen in Behandlung war, konnte einen das früher den kompletten Versicherungsschutz kosten. Das Risiko einer Fehleinschätzung sei heute auf den Versicherer verlagert, betont auch Andrea Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen. Die Wahrheit bleibt dennoch oberstes Gebot: Schummelt der Kunde und beantwortet konkrete Fragen falsch, kann er auch in Zukunft mit leeren Händen dastehen.

Grundsätzlich gilt: Wer sich nicht selbst rechtzeitig um eine private Absicherung gekümmert hat und plötzlich nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, ist im wahrsten Sinne arm dran. Denn eine gesetzliche Rente vom Staat wie früher einmal üblich gibt es schon lange nicht mehr. Verbraucherschützer halten eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nicht nur für Arbeitnehmer und Selbstständige für dringend ratsam, sondern auch für Auszubildende oder Hausfrauen.

Preisunterschied

Junge, gesunde Menschen haben gute Chancen, einen BU-Vertrag zu bekommen. Je älter der Antragsteller, desto teurer kommt die Police zu stehen. Die Preis- und Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Anbietern sind gewaltig. Mal zahlt ein Berufseinsteiger 26 Euro, mal 56 Euro für den gleichen Tarif pro Monat. Wichtig ist immer das, was man für die Prämie bekommt, betont Blunck.

Ausschlussgründe

Aber selbst bei gutem Willen ist es manchmal gar nicht so einfach, den privaten Schutz auch zu bekommen. Mit zunehmender gesundheitlicher Vorbelastung wird es immer schwieriger, von Versicherern akzeptiert zu werden. Einige Berufsgruppen haben grundsätzlich Probleme, einen passenden Vertrag zu bekommen. Dazu gehören unter anderem Dachdecker, Maler- und Sprengmeister, Reporter, Berufssportler, Flugbegleiter, Friseure oder Lastwagenfahrer. Ihr Risiko gilt als recht hoch, den Beruf wegen Krankheit oder Unfall vorzeitig an den Nagel hängen zu müssen.

Wer sich neu versichern wolle, sollte unbedingt auf eine Nachversicherungsgarantie im Vertrag achten, rät Telkamp. Die sei unverzichtbar für junge Leute. Nur mit dieser Klausel lässt sich die Police später ohne Gesundheitsprüfung aufstocken. Sollte der Kunde im Laufe der Jahre mehr Geld verdienen, heiraten oder Kinder bekommen, kann er sich damit leicht nachversichern und die Rentenleistung erhöhen.

Beratung sinnvoll

Empfehlenswert ist zudem, sich bei den Verbraucherzentralen vor Abschluss anbieterunabhängig beraten zu lassen, was Preise und Leistungen betrifft. Die Fachleute können zudem die Angebote mit den kundenfreundlichsten Gesundheitsfragen herauspicken. Wer sichergehen will, eine möglichst lückenlose Krankheitsgeschichte parat zu haben, sollte die Fragen mit Unterstützung seines Arztes beantworten, rät Blunck.

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