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Der schwache Dollar bremst BMW

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- München - Die fetten Jahre bei BMW sind wohl fürs Erste vorbei. Statt neue Gewinn-Rekorde in Aussicht zu stellen, gibt sich der Konzern zurückhaltend. Vor allem der schwache Dollar und die hohen Rohstoffpreise belasten. Doch Absatz- und Umsatzzahlen sollen weiter zulegen.

Vorstandschef Helmut Panke strebt an, "das hohe Ergebnisniveau des Vorjahres in etwa zu erreichen". In diesem steckt ein Zuwachs von 14,1 Prozent auf 2,222 Milliarden Euro. Solche Wachstumsraten gehören voraussichtlich der Vergangenheit an. Vor allem der schwache Dollar belastet: Kosten fallen in teuren Euro an, die Exporterlöse außerhalb des Euroraums in schwächelnden Währungen wie Dollar oder Yen.

 

Impfung gegen den kränkelnden Dollar

 

Dem kann man zwar vorbeugen. Doch das kostet Geld - wie bei einem Wetteinsatz: Man kauft zum Beispiel das Recht, zu einem bestimmten Zeitpunkt Dollars zu einem festen Kurs in Euro umzutauschen. Sinkt der Dollar darunter, bekommt man mehr als der Markt hergibt - man gewinnt. Steigt er aber darüber, ist der Wetteinsatz verloren. Für BMW-Finanzvorstand Stefan Krause macht es "keinen Sinn", einen Dollarkurs von über 1,30 Euro abzusichern, weil "ein Kurs von unter 1,30 wahrscheinlicher" sei. Je länger der Dollar schwach bleibt, umso teurer wird die Absicherung: "Wir werden", sagt der Finanzvorstand, "2005 einen deutlich negativeren Einfluss auf unser Ergebnis haben." Schon 2004 hat die Dollarschwäche das Ergebnis mit einem "kleinen dreistelligen Euro-Betrag" belastet.

 

Langfristig setzt der Münchner Konzern deshalb auf eine automatische Absicherung auch "Natural Hedging" genannt. Wenn in einem Währungsraum so viele Fahrzeuge gebaut werden, wie man dort auch absetzt, ist ein Unternehmen gegen Währungsschwankungen weitgehend immun. Das dritte Modell, das BMW ab 2008 im amerikanischen Spartanburg montieren will, ist eine Art Schutzimpfung gegen einen kränkelnden Dollar.

 

Ähnliche Sorgen machen BMW die hohen Rohstoffpreise. Krause setzt einen "niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag" als Belastung 2005 an. Denn ein großer Teil der mehrjährigen Verträge für Rohstofflieferungen sind Ende 2004 ausgelaufen. Das heißt: Der Einkauf wird teuer. Auch die Zulieferer ächzen unter den hohen Rohstoffpreisen und wollen ihrerseits die Preisschraube anziehen. Das Begehren will Einkaufs-Vorstand Burkhard Göschel durch ein Hilfsangebot abwehren. Er plant, Zulieferern bei ihren Einkäufen beizustehen. "Einkaufspotenziale gemeinsam nutzen" ist die Devise. Panke erwartet auch, dass ein Teil der höheren Kosten wie bisher durch Produktivitätssteigerung ausgeglichen wird.

 

"Ein Unternehmen mit 44 Milliarden Umsatz, sollte in der Lage sein 100 Millionen Euro zu kompensieren", sagt Panke. So lässt sich ein Gewinnrückgang womöglich vermeiden. Ein Zuwachs aber wird nicht mehr erwartet.

 

Produktivitätszuwachs bedeutet: Mehr Leistung bei gleichem Personal. BMW wird, wie Personalvorstand Ernst Baumann erklärt, "nicht mehr in der Größenordnung wie bisher einstellen". In den letzten vier Jahren wurden 12 000 zusätzliche Jobs geschaffen, davon allein 11 000 in Deutschland.

 

Dennoch gibt es hoffnungsvolle Zeichen. 2005 ist gut angelaufen. Panke erwartet, dass das doch nicht abgelaufene erste Quartal 2005 das "absatzstärkste in der Unternehmensgeschichte" wird. Dabei ist sich Panke sicher, das Absatzziel von 1,4 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2008 (2004 waren es 1 250 345) zu übertreffen. Es spiele keine Rolle, ob es 1,45 Millionen oder 1,5 Millionen seien.

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