Schwacher Euro, knappes Öl: Benzin so teuer wie noch nie

- München - Noch nie war Benzin so teuer. Mit 1,231 Euro pro Liter Super wurde in dieser Woche an deutschen Tankstellen ein neuer Höchstpreis erreicht. Auch Diesel strebt mit 1,08 Euro pro Liter auf Rekorde zu. Entspannung ist nicht in Sicht.

<P>Der Energiebedarf der wachstumsstarken Regionen in Fernost fällt mit dem schier unendlichen Benzindurst aus den USA zusammen. Das ist derzeit nicht anders als in den vergangenen Monaten. Doch bisher hat ein steigender Euro die Auswirkungen in der Euro-Zone zum Teil abgefangen, weil Öl in Dollar abgerechnet wird. "Vor 25 Prozent des Preisanstiegs beim Rohöl" habe der schwache Dollar die Eurozone bewahrt, schätzt Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann. Doch jetzt fallen steigende Ölpreise mit einen schwächelnden Euro zusammen. Das trifft die Verbraucher doppelt.<BR><BR>Die Ursache der Knappheit auf den weltweiten Märkten für Benzin oder Diesel ist ausgemacht: Die USA kaufen auf den Märkten von diesen Produkten auf, was sie bekommen können, weil sie im eigenen Land nicht genug erzeugen können. Die meisten Raffinerien in den USA sind altersschwach. Der Bedarf wird über die weltweiten Ölmärkte gedeckt.<BR><BR>Experten sehen zwei Wege aus der in den USA verursachten Misere. Doch sind beide Wege in den USA politisch nicht durchsetzbar:<BR><BR> Höhere Steuern auf Benzin, um Verschwendung zu begrenzen, scheiden aus, weil damit "ein schnelles Ende der jeweiligen Präsidentschaft" verbunden wäre, zitiert der Energie-Informationsdienst (EID) US-Experten.<BR><BR> Auch beim von den USA erwarteten Ausbau von Raffinerie-Kapazitäten winken die Vereinigten Staaten ab: Zu hohe Genehmigungshürden sehen sie. Niemand will die Produktionsstätten, in denen der begehrte Brenn- und Treibstoff entsteht, vor der eigenen Haustüre haben. Man spart sich die störenden Fabriken und rechnet damit, dass Öl aus dem Ausland weiterhin reichlich fließen wird.<BR><BR>John Felmy, Chef-Volkswirt beim American Petroleum Institute, rechnet laut EID in den nächsten 20 Jahren mit einem um 39 Prozent höheren Verbrauch. Doch Förderung und Verarbeitung gehen demnach drastisch zurück. Die USA werden dann ihr Rohöl zu 68 Prozent importieren und Fertigprodukte wie Benzin oder Heizöl zu 90 Prozent im Ausland beschaffen.<BR><BR>Der dadurch nach oben getriebene Ölpreis macht aber auch die teure Ausbeutung neuer Ölvorkommen wirtschaftlich. So werden Tiefenbohrungen im Golf von Mexiko, im Kaspischen Meer, vor Angola, Brasilien oder Australien massiv vorangetrieben. Doch gemessen an der steigenden Nachfrage ist das laut EID aber wie der Versuch, "mit immer neuen Tropfen einen heißen Stein zu kühlen".<BR><BR>Doch enthält der gegenwärtige hohe Preis auch eine spekulative Komponente. Der kommende Beginn der Ferienzeit erhöhe in den USA die Nachfrage nach Benzin, erwarten Händler. Solche Märkte erweisen sich als labil. Eine Äußerung des Opec-Präsidenten Ahmed Fahd el-Sabah, die Organisation könne die Förderung um 500 000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag ausweiten, ließ gestern die Preise weltweit um 70 Cent pro Barrel einbrechen. Dabei liegt schon heute die Produktion um drei Millionen Barrel über der offiziellen Opec-Förderquote von 27 Millionen Barrel.<BR></P>

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