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„Wenn der bayerische Ministerpräsident ruft, dann kommt man“: Joschka Fischer diskutiert mit Horst Seehofer in der Staatskanzlei über die Energiewende.

Schwarz-grüne Harmonie in der Staatskanzlei

München - Ausgerechnet Joschka Fischer: Die Einladung des einstigen Grünen-Spitzenpolitikers in die Staatskanzlei hat für Ärger in der schwarz-gelben Koalition gesorgt. Die Debatte zur Energiewende verläuft allerdings weit weniger hitzig.

Ganz am Ende ist es mit der schwarz-grünen Harmonie dann doch vorbei: Nein, er könne ja nicht mit allen koalieren, für die er Sympathien hege, sagt CSU-Chef Horst Seehofer. Und der frühere Grünen-Spitzenpolitiker Joschka Fischer räumt ein, dass er als „Rot-Grüner“ nie viel von schwarz-grünen Bündnissen gehalten habe. Aber vielleicht komme bei der Union die „Erleuchtung“.

Fischer ist allerdings nicht in die Staatskanzlei gekommen, um über Erleuchtungen zu spekulieren. Es geht bei der Diskussionsrunde vielmehr um die Energiewende – und die hat selbst Politprofi Fischer überrascht. „Ob ich damit gerechnet habe, dass Schwarz-Gelb den rot-grünen Atomausstieg kippt? Ja! Ob ich damit gerechnet habe, dass Schwarz-Gelb die Laufzeitverlängerung wenig später wieder kippt? Nein!“

Fischer hält sich mit Häme jedoch zurück. Keine spitze Bemerkung zum Kurswechsel in der Energiepolitik, kein überhebliches „Wir haben es schon immer besser gewusst“. Fischer gibt ganz den Diplomaten. Mit der aus TV-Sendungen bekannten Denkermiene sitzt er auf dem Podium und wirkt äußerst entspannt. Als „einfaches Parteimitglied“ muss er nicht reagieren, wenn DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert vehement ein Energieministerium fordert. Oder Eon-Chef Johannes Teyssen genussvoll die Risiken des Atomausstiegs für die Industrie aufzählt.

Nur einmal kann sich der Ex-Außenminister nicht mehr zügeln. „Nein, nein, nein“, protestiert er, als Moderator Sigmund Gottlieb davor warnt, dass höhere Strompreise gerade die sozial Schwachen träfen. Diese Argumentation kenne er aus der Einführung der Katalysatoren für Autos, sagt Fischer. „Damals hieß es auch: Kein Arbeitnehmer kann sich künftig noch ein Auto leisten.“ Heute sei das überhaupt kein Thema mehr.

Ausgerechnet Seehofer springt dem Grünen bei. Auch er habe so seine Erfahrungen mit den Autoherstellern. Als die Regierung Ende der 80er-Jahre bleifreies Benzin einführen wollte, habe ihm der Audi-Chef den Tod der deutschen Autoindustrie prophezeit.

Manchen Parteifreund dürfte die schwarz-grüne Harmonie alles andere als behagen. Schon vor der Veranstaltung hatte es in Teilen der CSU harsche Kritik an der Einladung Fischers gegeben. „Ich hätte ihn persönlich nicht eingeladen in die Fraktion“, sagte etwa CSU-Fraktionschef Georg Schmid. Die Liberalen beklagten, eigentlich hätte Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) statt Fischer auf dem Podium sitzen müssen.

Völlig unbeeindruckt von den schwarz-grünen Annäherungsversuchen zeigt sich Eon-Chef Teyssen. Auch wenn der Spitzenmanager die Energiewende nicht infrage stellt, übt er scharfe Kritik. Den Atomausstieg bezeichnet Teyssen als „volkswirtschaftliches Experiment“. Mit dem Ausstieg habe die Kernenergie ihre Funktion als Brückentechnologie endgültig verloren. „Vergessen Sie die Brücke“, ruft Teyssen. „Wir haben uns entschieden: Unten ist es auch nett.“ Nun müsse man abwarten, wie es weitergehe. Die nächsten beiden Winter würden spannend, so der Eon-Chef. „Aber wenn die Kanzlerin sagt...“ Teyssen lässt den Satz bewusst unvollendet.

Kaum ist die Debatte zu Ende, stürzen die Journalisten auf Seehofer. Es geht aber nicht um Energie oder Schwarz-Grün, sondern um die Kandidatur von Peter Gauweiler als CSU-Vize. Fischer steht abseits und grinst. Statt über Parteiposten zu diskutieren, gibt der einstige Grünen-Star Autogramme.

Steffen Habit

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