Schwarzarbeit nimmt kräftig zu

Berlin/Tübingen - Steigende Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit werden in diesem Jahr nach Expertenprognose noch einmal mehr Menschen in die Schattenwirtschaft treiben.

Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen rechnet damit, dass die Schattenwirtschaft 2010 zwischen sechs und zehn Milliarden Euro an Volumen gewinnt. Das wäre gegenüber 2009 ein Plus um 2,0 Prozent, teilte das Institut am Dienstag mit. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will nach einem Bericht der “Bild“-Zeitung vom Dienstag den Kampf gegen die Schwarzarbeit verschärfen. Danach soll die zuständige Behörde Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) in diesem Jahr 200 zusätzliche Planstellen erhalten. Die Stellen sollten überwiegend mit Fahndern, sogenannten Prüfern, besetzt werden.

Insgesamt steige die Zahl der FKS-Mitarbeiter dadurch auf rund 6700, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Angaben aus dem Ministerium. Hauptaufgaben seien die Bekämpfung der Schwarzarbeit und die Überwachung der Mindestlohnbestimmungen. Unter Schattenwirtschaft verstehen die Experten vor allem Schwarzarbeit aber auch alle kriminellen Aktivitäten. Wer seinen Job verloren habe oder nur tageweise in die Firma kommen könne, habe viel Zeit, aber wenig Einkommen. Dadurch steige die Bereitschaft, am Staat vorbei Geld zu verdienen. Auf der anderen Seite werde legale Arbeit durch das Bürgerentlastungsgesetz wieder attraktiver, weil weniger Abgaben gezahlt werden müssten, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Analyse. Insgesamt werden der Prognose zufolge in diesem Jahr in Deutschland 359,2 Milliarden Euro in der Schattenwirtschaft umgesetzt, damit wäre mehr als jeder siebte Euro (14,7 Prozent) illegal erwirtschaftet.

Die Experten machten folgende Rechnung auf: Steigt das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,6 Prozent, die Arbeitslosenzahl um 600 000 auf 4,1 Millionen und bleibt die Zahl der Kurzarbeiter mit 700 000 relativ konstant, dann würde die Schattenwirtschaft zwischen 7,6 und 10,1 Milliarden Euro zulegen. Durch die Einführung von Mindestlöhnen werden zusätzlich 200 bis 400 Millionen Euro schwarz umgesetzt. Das Bürgerentlastungsgesetz und die Senkung des einheitlichen Beitragssatzes für die gesetzlichen Krankenversicherungen machen legale Arbeit hingegen lukrativer und lassen die Schattenwirtschaft deshalb um 1,4 bis 2,2 Milliarden Euro schrumpfen.

dpa

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