"Schwarzbuch Börse 2005": Zitronen für bayerische Firmen

- München - Was für weibliche Berühmtheiten die "Liste der am schlechtesten angezogenen Frauen" ist, ist für deutsche Aktiengesellschaften das "Schwarzbuch Börse". Jährlich berichtet die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger darin über schwarze Schafe, die am Kapitalmarkt eine schlechte Figur abgegeben haben. In der aktuellen Ausgabe dabei: mehrere Unternehmen aus Bayern.

Um ein "negatives Schauspiel der Aktienkultur", wie es der SDK-Vorsitzende Klaus Schneider nennt, zu beschreiben, braucht es Platz. Consumer Electronic, einem gefallenen Star des Neuen Marktes, hat die Schutzgemeinschaft in ihrem 96-Seiten-Report deswegen eine Doppelseite eingeräumt. Auf der geht es um die Hauptversammlung des klammen Chip-Brokers, die am 7. Dezember stattfand und bei der sich nach Ansicht der Aktionärsschützer "Haarsträubendes" abspielte.

Damals ließ der CE-Vorstand über einen für Kleinaktionäre ungünstigen Kapitalschnitt abstimmen. Um sich die Mehrheit zu sichern, hatte das Unternehmen laut SDK schon im Vorfeld Druck auf Anteilseigner ausgeübt. Sätze wie: "Wenn diese Beschlussvorlage nicht durchgeht, werden wir Insolvenz anmelden", sollen dabei gefallen sein. Zudem, so vermutet die Schutzgemeinschaft, seien Einladungen für die ungewöhnlich früh angesetzte Veranstaltung spät verschickt worden, um die Beteiligung niedrig zu halten.

Am Ende stand die Mehrheit, welche die SDK nun aber nachträglich noch zu Fall bringen will: Sie legte gegen den Vorgang ebenso Anfechtungsklage ein wie im Fall der angeschlagenen MWG Biotech. Der wird auch in der vierten Ausgabe des Schwarzbuchs erwähnt - und es geht ebenfalls um einen Beschluss bei einer Hauptversammlung, die letzten Sommer 800 Kilometer vom Ebersberger Firmensitz entfernt stattfand. Die dort im "unverschämten" Verhältnis entschiedene Kapitalminderung sei der Übernahmeversuch eines "räuberischen Großaktionärs" gewesen, monieren die Aktionärsschützer scharf.

Es sind allerdings nicht nur kleine Gesellschaften, die den Ärger der SDK auf sich gezogen haben. Auch Konzerne wie etwa Infineon bekommen ihr Fett weg. Während der deutsche Aktienindex Dax 2005 um gut 25 Prozent zulegte, habe es das Münchner Chip-Unternehmen vollbracht, ein Minus zu verbuchen, wird auf Seite 28 kritisch bemerkt. Doch das ist noch nicht alles: Bemängelt wird auch, dass die geplante Abspaltung der umsatzstarken Speicherchip-Sparte an den Aktionären vorbei entschieden worden ist. Vorstandschef Wolfgang Ziebart wird zudem "Entscheidungsschwäche" vorgeworfen.

Wenig Schmeichelhaftes gibt es auch über die HypoVereinsbank zu lesen. Dem Münchner Geldhaus und zwei Partner-Instituten hat die Schutzgemeinschaft die "IPO-Zitrone" für ihre Beteiligung am Börsengang des Pay-TV-Anbieters Premiere verliehen. Der Großteil der Erlöse sei nicht in das Sendergeschäft, sondern an die Altaktionäre geflossen - darunter die HVB, die zudem auch Millionen als Konsortialbank verdiente. Rechtzeitig vor dem Einbruch der Premiere-Aktien wegen der verlorenen Bundesligarechte hätte sie Anteile dann noch mit hohen Gewinnen verkauft.

Doch die SDK weist im Schwarzbuch 2005 nicht nur auf "Skandale und Pleiten" bei drei Dutzend Unternehmen hin, sondern auch auf "erfreuliche" Entwicklungen: Eine davon sei die Stärkung der Aktionärsrechte durch ein BGH-Urteil in Sachen EM.TV gewesen. Dabei wurde entschieden, dass auch eine Firma als Gesamtschuldner haftbar gemacht werden kann.

Bestellformular "Schwarzbuch": www.sdk.org

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