Die Schwarze Liste und ihre Grenzen

München - Das am Sonntag in Kirgistan abgestürzte Flugzeug hätte in Europa nicht starten dürfen. Die Gesellschaft stand als unsicher auf einer Schwarzen Liste der EU, die derzeit 157 Unternehmen aussperrt.

Wer in Europa als Passagier in ein Flugzeug steigt, den wird in der Regel ein gut gewartetes und betriebssicheres Fluggerät erwarten. Das kann er auch, wenn er bei einer Fluggesellschaft gebucht hat, die einigermaßen regelmäßig Flughäfen innerhalb der EU anfliegt. Denn diese Unternehmen werden immer wieder überprüft.

Wer dabei durch das Raster der hohen europäischen Sicherheitsanforderungen fällt, landet auf der Schwarzen Liste der EU. Unternehmen, die darin geführt werden, dürfen auf Flugplätzen innerhalb der Gemeinschaft weder starten noch landen. Selbst der Luftraum über dem Gebiet der beteiligten Länder bleibt ihnen versperrt.

Doch absolute Sicherheit für Fluggäste gibt es nicht. Unternehmen, die nur unregelmäßig kleinere Flugplätze anfliegen, müssen sich nicht zwingend im Kontrollnetz verfangen, das auf Stichproben basiert. Darauf weist die EU ausdrücklich hin.

Dennoch bietet die Liste eine Hilfestellung vor allem für Menschen, die außerhalb der EU unterwegs sind. Beispielsweise in Afrika kann es leicht sein, dass man es bei einem Flug mit einer Gesellschaft zu tun hat, die wegen gravierender Sicherheitsmängel Westeuropa nicht anfliegen darf.

Das kann schon bei der Reisevorbereitung helfen. Denn ein Reiseveranstalter muss grundsätzlich bereits bei der Buchung mitteilen, wer einen Flug durchführt. Ebenso muss er bei einem Wechsel des Luftfahrtunternehmens die betroffenen Fluggäste darüber informieren.

Man sollte sich aber immer auch der Grenzen dieser Liste bewusst sein. Luftfahrtunternehmen, die gar nicht erst versuchen, in Europa zu landen, werden hier auch nicht kontrolliert. Sie stehen damit auch nicht auf der Schwarzen Liste, obwohl ihre Flugzeuge möglicherweise noch unsicherer sind als die Flotten im EU-Verzeichnis. Wenn ein Unternehmen aber drinsteht: Besser nicht buchen.

Dabei beginnt das unsichere Terrain bereits in Europa: Zwei ukrainische Fluggesellschaften der früheren Sowjetrepublik befinden sich auf der Liste. Doch dort gibt es für Passagiere wenigstens eine Alternative.

Dagegen haben Reisende in manchen Ländern gar keine Wahl. Denn in vielen Fällen steht, weil die Überwachungsbehörden nicht funktionieren, die ganze Luftverkehrsbranche eines Landes auf der Liste: Die ehemalige Sowjetrepublik Kirgistan ist ein solches Beispiel. Aber auch aus Indonesien oder dem Kongo, aus Äquatorialguinea und Swasiland darf kein Luftfahrtunternehmen die EU anfliegen. Aus Gabun dürfen dies nur zwei Gesellschaften - und selbst diese nur mit bestimmten Flugzeugtypen.

In solchen Ländern wird es schwer, eine sichere Fluggesellschaft zu finden, denn gerade bei Inlandsflügen wird man kaum auf vertrauensfördernde Namen wie Lufthansa oder British Airways stoßen.

Dabei ist die Verbannung aus Europa für ein Unternehmen nicht endgültig. Bei Besserung können Luftfahrtunternehmen die Streichung aus der Liste durchsetzen. Das hat zuletzt die iranische Mahan Air erreicht. Die Flugzeuge der zweitgrößten iranischen Fluggesellschaft wurden 2007 im Vorjahr auf die Liste gesetzt, weil ihre Maschinen nicht wie vorgeschrieben mit einem Kollisionswarnsystem und einem Bodenabstandswarner ausgerüstet waren. Seit Juli diesen Jahres sind die nachgerüsteten Mahan-Flugzeuge wieder in Europa willkommen.

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