Schwebend durch die Wüste: "Golfstaaten wollen den Transrapid"

- Bayern entdeckt die Golfstaaten: Um den Handel mit Bahrain, Katar, den Vereinigten Emiraten oder dem Oman in Schwung zu bringen, will Ministerpräsident Edmund Stoiber im Januar eine bayerische Vertretung am Persischen Golf in Abu Dhabi eröffnen. Um der heimischen Wirtschaft schon vorab die Tür zu den wohlhabenden Wüstenländern aufzustoßen, bereist noch bis zum heutigen Dienstag seine Europaministerin Emilia Müller die Region.

Unsere Zeitung telefonierte mit der CSU-Politikerin.

Frau Müller, bislang sind die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Bayern und den Golfstaaten eher unbedeutend: Kaum mehr als ein Prozent aller Exporte aus dem Freistaat gehen in die Region. Warum sollte sich das künftig ändern?

Emilia Müller: Die Golfstaaten verdienen derzeit sehr gut an ihren Öl- und Gasvorräten. Aber sie wissen, dass die Vorkommen endlich sind. Jetzt wollen sie in ihre Zukunft investieren, um gewappnet zu sein, wenn die Einnahmen durch die Energiequellen irgendwann wegbrechen. In den kommenden Jahren sollen deswegen 600 Milliarden US-Dollar in Infrastruktur, Forschung und Entwicklung fließen. Und diese Technologien könnten bayerische Firmen liefern, die in der Region sehr geschätzt werden.

Das große Geschäft machen derzeit aber Amerikaner und Briten, die beispielsweise Dubai schon seit Jahren helfen, von den Rohstoffen loszukommen. Hat man die Region in den vergangenen Jahren vernachlässigt? Seit 20 Jahren reiste kein bayerischer Ministerpräsident mehr dorthin ...

Emilia Müller: Wir waren zu wenig präsent. Das wollen wir mit der Vertretung in Abu Dhabi und dem Besuch von Edmund Stoiber aber ändern. Denn es bieten sich große Chancen für die bayerische Wirtschaft. Wir sind mit offenen Armen empfangen worden.

Unternehmen welcher Branchen könnten mit den Scheichs künftig Geschäfte machen?

Emilia Müller: Etwa die Bauwirtschaft. Allein in Katar sollen in den kommenden Jahren 160 neue Hochhäuser hochgezogen werden, wie uns gesagt wurde. Einen Riesenbedarf gibt es auch an Brücken, Straßen, erneuerbaren Energien wie Windrädern und Photovoltaik oder Technologien zur Alu-Verarbeitung. Auch die Medizintechnik ist sehr gefragt.

Seit längerem wird den Golfstaaten zudem ein Interesse an der Schwebebahn Transrapid nachgesagt. Haben Sie dazu Neues gehört?

Emilia Müller: Das Ziel, den Transrapid zu bauen, wird weiter verfolgt. Wir haben mit dem Premierminister von Bahrain über das Thema gesprochen. Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie initiiert. Ich bin zuversichtlich, dass der Transrapid kommt. Die Leute hier wollen diese Technologie und verfügen auch über die nötigen finanziellen Mittel für den Bau.

Welche Strecke ist geplant?

Emilia Müller: Vorgesehen ist ein 160-Kilometer-Abschnitt über eine Brücke von Bahrain nach Katar. Geplant wird zudem eine Verlängerung nach Abu Dhabi. Das wären nochmal rund 300 Kilometer.

Gestatten Sie uns noch eine Verständnisfrage: Warum bereist die bayerische Europaministerin die asiatischen Golfstaaten?

Emilia Müller: Ich bin auch für die internationalen Beziehungen zuständig. In dieser Funktion bilde ich gewissermaßen die Vorhut für den Besuch im Januar.

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