"Schweden sollen an den Tisch"

- Nürnberg - ""Es wäre gescheiter, gleich mit dem Schmied zu reden und nicht mit dem Schmiedl", wettert der bayerische IG MetallChef Werner Neugebauer. Dass man in den Verhandlungen um das seit gut zwei Wochen von der Belegschaft bestreikte AEG-Stammwerk in Nürnberg "keinen Millimeter" weiterkomme, liegt nach Meinung des Gewerkschafters auch am geringen Handlungsspielraum der Arbeitgeber-Delegation.

"Mit einem Phantom zu verhandeln ist immer schwierig", sagt Neugebauer in Anspielung auf den abwesenden Electrolux-Chef Hans Strberg und fordert: "Die Schweden sollen an den Tisch."

Für den schwedischen Konzern, der das Werk mit 1700 Beschäftigten Ende 2007 schließen will, sitzen AEG-Geschäftsführer Dieter Lange, Personalleiter Edgar Hess sowie vom Verband der bayerischen MetallArbeitgeber Geschäftsführer Bertram Brossardt und Vize Georg Feldmeier am Tisch. "Die Handlungsfähigkeit der Herren tendiert gegen Null", beschwert sich Neugebauer. Deshalb habe es auch am Samstag, bei der zweiten Verhandlungsrunde seit Beginn des AEG-Streiks, in der Frage eines Sozialtarifvertrags für die Beschäftigten "überhaupt keine Bewegung" gegeben.

Das Tempo sieht die Arbeitgeber-Seite ähnlich. Es sei schon ein Fortschritt, "dass wir uns wieder treffen", sagte AEG-Verhandlungsführer Lange nach den Gesprächen am Samstag, die nach zweieinhalb Stunden ergebnislos auf den kommenden Mittwoch vertagt wurden. Dann will die AEG-Delegation Antworten auf eine Fülle von Fragen geben, die die IG Metall vorgelegt hat - Details zu den angebotenen Abfindungszahlungen, zu Pensionsmodellen und zu einer Beschäftigungsgesellschaft.

Die wichtigste Frage - ob am Grundsatzbeschluss des Konzerns noch zu rütteln sei - hatte Lange freilich schnell beantwortet: "Die Schließung ist endgültig." Auch die Frage, ob ein späterer Termin als Ende 2007 denkbar sei, beantwortete der AEG-Verhandlungsführer "eindeutig mit Nein". Im Gegenteil, der Streik könnte die Schließung sogar beschleunigen, warnte Lange. Denn natürlich suche Electrolux nach Wegen, die Produktionsausfälle aus Nürnberg in anderen Werken zu kompensieren. "Wir haben genug Ressourcen", sagte Lange. "Wir können die Kunden nicht warten lassen." Die IG Metall tat dies umgehend als leere Drohung ab.

Generell ist zu beobachten, dass sich die Verhandlungen zwischen verbaler Kraftmeierei und vorsichtigen Annäherungssignalen bewegen. Auch IG-Metall-Verhandlungsführer Neugebauer, der einerseits immer für markige Worte gut ist, weiß andererseits, dass am Ende ein Kompromiss stehen muss. Im Verhandlungsteam der IG Metall schlägt er mitunter auch etwas versöhnlicher klingende Töne an, während Streikleiter Jürgen Wechsler hier den "harten Hund" gibt und auf der Rücknahme des Schließungsbeschlusses besteht. Eher als taktischer Winkelzug dürfte in diesem Zusammenhang die Frage der IG Metall zu werten sein, ob Electrolux sich den Verkauf der Marke AEG an einen externen Investor vorstellen könne. Denn dass AEG ungeachtet aller Auseinandersetzungen die Premium-Marke des Konzerns bleiben solle, hatte Electrolux schon mehrfach deutlich gemacht.

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