Russland und China fallen als Exportpartner weg, die Afrikanische Schweinepest wütet und der Lebensmittelhandel liefert sich Rabattschlachten: Die deutsche Schweinehaltung könnte die Krise nicht überstehen.
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Schweinestall: Die deutschen Schweinehalter kämpfen angesichts wegbrechender Exporte, Schweinepest und Rabattschlachten im Einzelhandel um ihre Existenz.

70 Euro Verlust pro Schwein

„Ruinös“: Bauern beklagen Ramschpreise - und sehen Schweinehaltung in Deutschland in Gefahr

Mit aktuell 70 Euro Verlust pro verkauftem Schwein kämpfen Schweinebauern ums Überleben. Branchenvertreter machen auch falsche Versprechungen der Politik verantwortlich.

Bonn - Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat angesichts der existenzbedrohenden Lage auf dem Markt für Schlachtschweine schnelle und unbürokratische Hilfe für die betroffenen Landwirte gefordert. „Das aktuelle Preisniveau ist ruinös für unsere Schweinehalter. Die anhaltend katastrophale Marktlage ist für alle Betriebe existenzbedrohend“, warnte Hubertus Beringmeier vom DBV. Der Schweinefleischmarkt sei noch immer von den Auswirkungen der Corona-Pandemie getroffen. Zudem macht den Tierhaltern die Afrikanische Schweinepest zu schaffen.

Beringmeier forderte eine Fortsetzung der Corona-Hilfen sowie zinslose Steuerstundungen. Außerdem müsse die Politik sämtliche geplanten gesetzlichen Verschärfungen und Belastungen aussetzen. Gleichzeitig sollten sich Handel, Verarbeiter und Großverbraucher auf eine Vermarktungskennzeichnung für deutsches Schweinefleisch einigen. Bisher, so der Vorwurf des Verbandsvertreters, wälze die Vermarktungskette jegliche coronabedingte Belastung auf die Erzeuger ab.

Schweinehalter: 70 Euro Verlust pro Schwein

Vertreterinnen und Vertreter der Tierhalter, des Lebensmitteleinzelhandels sowie der Ernährungswirtschaft beraten am Mittwoch in Bonn. Eingeladen zu dem Branchengespräch hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Die Schweinepreise sind auf einem Rekordtief, die Tierhalter machen nach Angaben ihres Verbandes aktuell bis zu 70 Euro Verlust pro verkauftem Schwein.

An dem Treffen in Bonn nehmen auch die Landwirtschaftsministerinnen von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen teil, Barbara Otte-Kinast und Ursula Heinen-Esser (beide CDU). In den beiden Bundesländern wird ein Großteil der Schweine in Deutschland gehalten.

Schweinezüchter: „Devise war immer mehr und intensiver“ - Exporte nach China auf Rekord-Tief

Martin Schulz, Neuland-Schweinehalter aus dem niedersächsischen Wendland und Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), erklärte, die Krise sei das Ergebnis „einer falschen Ausrichtung“ der Agrarpolitik. Jahrzehntelang habe man den Betrieben „Hoffnungen gemacht, dass die großen Chancen im Exportmarkt liegen. Die Devise war immer mehr und intensiver. Jetzt fällt neben Russland auch China als wichtiger Exportmarkt wegen angestrebter Selbstversorgung weg.“

Nun drücke auch der Selbstversorgungsgrad von 120 Prozent im eigenen Land auf die heimischen Preise: „Der einheimische Markt ist übervoll und die Kühlhäuser sind noch aus dem letzten Jahr gefüllt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Schweinefleischverzehr in Deutschland kontinuierlich zurückgeht. Ein Grund hierfür sind die Haltungssysteme, die viele Verbraucher*innen nicht mehr akzeptieren.“

Schweinebauern: „Lockangebote zu Ramschpreisen“ sind der falsche Weg

Der AbL Bundesvorsitzende Schulz kritisierte auch die deutsche Bürokratie. So bekämen Betriebe, die sich für mehr Tierschutz einsetzten, oftmals keine Baugenehmigungen für den Umbau ihrer Ställe.

Zugleich sieht Schulz den Handel in der Pflicht: „Lockangebote zu Ramschpreisen“ seien der falsche Weg. Gefragt seien Maßnahmen des Lebensmitteleinzelhandels, damit die deutsche Schweinehaltung „auf Grund der ruinösen Preise“ nicht verloren gehe. (AFP/DPA/AbL)

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