Schwere Vorwürfe gegen Ricke und Zumwinkel

Bonn - In der Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom geraten der ehemalige Konzernchef Kai-Uwe Ricke und der Ex-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel zunehmend unter Druck.

Der frühere Personalvorstand der Deutschen Telekom, Heinz Klinkhammer, sagte dem "Handelsblatt", der Auftrag, die Lücken für Indiskretionen im Unternehmen zu finden, sei "aus dem Umfeld Ricke und Zumwinkel erteilt" worden. Die Zeitung zitierte am Mittwoch auch den Chef der Berliner network.deutschland GmbH, Ralph Kühn, mit den Worten, der Auftrag zur Auswertung von Verbindungsdaten sei von "ganz oben" gekommen und mit dem Vorstand abgestimmt worden.

Kühn distanzierte sich von dem Bericht. Von ihm geäußerte Vermutungen seien zu Tatsachen gemacht worden, teilte er mit. Die Rolle seiner Firma sei "falsch geschildert und überhöht" worden. Die auf Kommunikationssicherheit in Unternehmen spezialisierte Firma soll im Auftrag der Telekom nach undichten Stellen im Konzern gesucht und Verbindungsdaten von Telefonaten ausgewertet haben.

Klinkhammer sagte laut "Handelsblatt" weiter: "Der Mitarbeiter der Konzernsicherheit, der diesen Auftrag bekommen hat, hat mir versichert, dass Ricke und Zumwinkel ihm in der Angelegenheit einen Maulkorb erteilt haben."

Ricke wies die erhobenen Vorwürfe als "haltlos und unwahr" zurück. Ein Sprecher von Zumwinkel erklärte, der ehemalige Telekom- Aufsichtsrat habe keinen persönlichen Auftrag erteilt. Die Geschäfte eines Unternehmens führe der Vorstand. Ein Aufsichtsratsvorsitzender könne Mitarbeitern des Unternehmens keine Anweisungen geben.

Die Telekom wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren und verwies auf die Bonner Staatsanwaltschaft, die derzeit die Aufnahme von Ermittlungen in der Affäre prüft.

Der Aufsichtsrat des Unternehmens stärkte Vorstandschef René Obermann den Rücken. Das Kontrollgremium habe ausdrücklich die von ihm eingeleiteten Maßnahmen begrüßt und seinen Kurs unterstützt, um künftig einen Datenmissbrauch in dem Unternehmen zu verhindern, sagte Konzernsprecher Philipp Schindera am Mittwochabend in Bonn.

Schindera bestätigte Berichte, dass der Vorstand bereits im Sommer vergangenen Jahres von einem Fall von Datenmissbrauch erfahren habe. Daraufhin habe Obermann zügig gehandelt und den Bereich Unternehmenssicherheit komplett umgebaut. Spekulationen über eine mögliche Verstrickung von Obermann in die Affäre wies das Unternehmen am Abend in einer Pressemitteilung zurück.

Der Vorstandsvorsitzende habe mit den Vorgängen aus dem Jahr 2005 nichts zu tun. Zu dieser Zeit war Kai-Uwe Ricke Telekom-Chef, der im November 2006 den Posten räumen musste. Durch die unverzüglichen internen Ermittlungen der mit einem Ex-Staatsanwalt besetzten Stabsstelle Wirtschaftsstrafrecht sei es möglich gewesen, kurzfristig noch 2007 weitreichende personelle und organisatorische Maßnahmen zu ergreifen, hieß es weiter. Obermann habe nichts zu verbergen gehabt.

Am vergangenen Wochenende hatte Telekom-Vorstandschef René Obermann eingeräumt, dass der Konzern in Jahren 2005 und teilweise auch 2006 Telefon-Verbindungsdaten missbrauchlich benutzt habe. Zuvor hatte das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" die Affäre ans Licht gebracht. Ziel der Operation war es, herauszufinden, wann und wie lange Aufsichtsräte und Telekom-Manager mit Journalisten telefoniert haben. Auf diesem Wege wollte die Telekom herausfinden, wer die Presse mit internen Informationen versorgte. Zu der fraglichen Zeit war Ricke Vorstandschef und Zumwinkel Aufsichtsrat des Bonner Telekommunikationsunternehmens.

Dem "Handelsblatt" zufolge verlief der Kontakt zwischen Kühn und der Telekom über die Abteilung Konzernsicherheit. Die erste Ausspähaktion habe 2005 stattgefunden. Als Ende 2006 der Wechsel von Kai-Uwe Ricke zu René Obermann an der Telekomspitze vollzogen wurde, seien neue Aufträge ausgeblieben. Da Kühn dem Bericht zufolge noch Forderungen von über 400 000 Euro gegen die Telekom hatte, habe er dem Konzern per Fax "mit Konsequenzen" gedroht. Sein Fax sei später zum "Spiegel" gelangt.

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