Schwerer Abschied von Uralt-Technik

- München - Das mehr 30-Jahre alte deutsche Polizeifunk-System steht vor der Ablösung. Drei Konsortien wetteifern um die Gunst von Bund und Ländern um den Auftrag. Eines davon, Motorola und T-Systems, hat jetzt einen Pflock in den Münchner Boden gerammt. Es bekam den Zuschlag für die Funkausrüstung der Allianz-Arena.

<P>Noch funken deutsche Polizisten Rettungsdienste und Feuerwehren analog. Das tun sonst in Europa nur die Albaner und die freiwilligen Feuerwehren in Tschechien. Grund für die Rückständigkeit ist einmal mehr ein Gerangel zwischen Bund und Ländern. Letztere haben zwar fast alle Kompetenzen der Inneren Sicherheit. Zahlen - wenigstens die Hälfte - soll ihre Auffassung nach der Bund.<BR><BR>Dazu kommen industriepolitische Interessen:<BR><BR> Tetrapol von EADS und Siemens erfreut sich der Unterstützung von Bayern und Baden-Württemberg.<BR><BR> Das technisch und bei den Kosten vergleichbare Tetra-System von Motorola und T-Systems erfährt Zuspruch vor allem aus Nordrhein-Westfalen.<BR><BR> Billiger - weil auf Mobilfunknetztechnik aufbauend - käme BOS- GSM, wie es von Vodafone angeboten wird.<BR><BR>Die Würfel sind noch nicht gefallen. Doch längst versuchen sich die Betreiber Netze etwa in Unternehmen zu sichern. Dies haben nun Motorola und T-Systems in München geschafft. Die Allianz-Arena wird mit Tetra-Technologie ausgestattet. Von einem "wichtigen Referenz-Projekt" sprach Stephan Witteler von T-Systems. Denn immerhin können schlecht ausgerüstete Polizisten im Stadion bestaunen, welche Möglichkeiten ihre privaten Kollegen heute schon haben. Im ersten Quartal 2005 soll die Funkausrüstung im Stadion fertig sein.<BR><BR>Die Möglichkeiten sind vielfältig. Wie heute das Handy kann der digitale Behördenfunk Bilder übertragen, Fingerabdrücke zum Beispiel oder Fahndungsfotos. Ein Beamter bekommt das Bild eines vermissten Kindes gleich aufs Display geschickt, wie Norbert Quinkert von Motorola sagt. Auch können Daten mit dem Fahndungs-Computer oder von Kfz-Zulassungsstellen abgeglichen werden.<BR><BR>Steht das entsprechende Funknetz einmal - das kostet rund 7 Milliarden Euro - können die Sicherheitsbehörden sparen. Ein Endgerät soll nicht mehr kosten als ein hochwertiges Handy, sagt Quinkert. Dagegen kostet ein neues veraltetes Analog-Gerät 1500 Euro. Ab 2006 geht gar nichts mehr. Weil in den Geräten umweltbelastende Materialien verbaut sind, die dann nicht mehr den dann geltenden Umweltstandards entsprechen.<BR><BR>Doch in erster Linie geht es um den Nachteil bei Einsatz. "Ein Weiterbetrieb des analogen Funknetzes bildet ein erhebliches Sicherheitsrisiko", kritisiert Gerhard Keller, Bayern-Chef der Gewerkschaft der Polizei. "Wir brauchen so schnell wie möglich ein digitales Funksystem."<BR><BR>Zu einer schnellen Einrichtung sieht sich Motorola in der Lage und verweist auf die Erfahrung bei den Olympischen Spielen in Griechenland. Neun Monate nachdem der Vertrag unterschieben war, ging das System mit insgesamt 30 000 Nutzern in Betrieb - vollständig digital.<BR><BR>Dagegen haben T-Systems und Motorola bei ihren Pilotprojekt in München ganz andere Aufgaben zu bewältigen. Rund ein Drittel der Kosten von rund 500 000 Euro fallen an, weil auch noch alte Analogtechnik eingebaut werden muss. Dies nur dazu damit die Polizei beim Sicherheitszaun der Zukunft wenigstens ein wenig mithören kann.<BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Leverkusen/New York - Bayer und Monsanto wollen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit Investitionen und US-Arbeitsplätzen von ihrer Fusion überzeugen.
Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank könnte Medienberichten zufolge schon bald drastische Einschnitte bei den Boni ihrer Mitarbeiter verkünden.
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
London - Theresa May kündigte am Dienstag den klaren Bruch mit der EU an. In unserer Zeitung erklärt der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, wie teuer …
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren
New York - Bis 2050 wird einer Studie zufolge mehr Plastikmüll in den Weltmeeren schwimmen als Fische - wenn nicht schnell gehandelt wird. Genau das tun jetzt 40 große …
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren

Kommentare