Zu wenig Frauen in Top-Jobs in Staatsunternehmen

Berlin - Schon als vor 20 Jahren die Frauenministerin Merkel hieß, sollten öffentliche Unternehmen bei der Karriere-Förderung von Frauen vorangehen. Passiert ist erschreckend wenig. Das will SPD-Ministerin Manuela Schwesig jetzt ändern.

Frauen kommen in öffentlichen Unternehmen von Bund, Ländern und Kommunen nur selten in Spitzenpositionen. Der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten liegt derzeit bei 25,1 Prozent, wie aus einer am Mittwoch von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig vorgestellten Studie hervorgeht. Die SPD-Politikerin will nun Druck machen und mit schärferen Vorgaben dafür sorgen, dass große Bundesfirmen wie die Bahn, die Flugsicherung oder die Bundesdruckerei mehr Frauen ins Management holen.

Bei Unternehmen mit Bundesbeteiligung ist nur jede fünfte Position in Aufsichtsgremien mit einer Frau besetzt. Der Frauenanteil in Vorständen und Geschäftsführungen erreicht dort sogar nur 13,9 Prozent. Schwesig betonte in Berlin, für die Bundesregierung, die viele Topjobs vergibt, gebe es reichlich Luft nach oben. Sie sei mit verschiedenen Ministerien im Gespräch: „Ich bin schon bei meinen Kabinettskollegen dafür bekannt, dass ich sie bei der Besetzung von Gremien stalke.“

Mit Blick auf die von der schwarz-roten Koalition geplante Frauenquote für die Aufsichtsräte großer börsennotierter Unternehmen meinte Schwesig, die öffentliche Hand müsse mit gutem Beispiel vorangehen. „Man kann nicht der Wirtschaft Dinge abverlangen, die der öffentliche Bereich selbst nicht einhält.“

Seit 1994 - damals war Kanzlerin Angela Merkel (CDU) noch Frauenministerin - regelt ein Gesetz, dass der Bund eigentlich jeden zweiten Posten an eine Frau vergeben sollte. „Nur hat sich nie jemand daran gehalten“, meinte Schwesig, die nun einen 120-seitigen Referentenentwurf vorgelegt hat, der in der Regierung beraten wird. Die schärferen Vorgaben für Bundesfirmen sollen 2015 in Kraft treten.

Das Ministerium hatte die Initiative „FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte“ beauftragt, erstmals eine Übersicht über den Frauenanteil in Aufsichtsräten und Geschäftsführungen von 225 öffentlichen Unternehmen zu erstellen (Public Women-on-Board-Index).

Rund 15 Prozent der untersuchten Aufsichtsgremien sind frauenfreie Zone - bei 22 Prozent wird aber ein Anteil von mindestens 40 Prozent erreicht. Angeführt wird die Gesamt-Rangliste von der Botanika GmbH aus Bremen, die einen Frauenanteil von 80 Prozent hat. Insgesamt gibt es rund 14 000 öffentliche Unternehmen, die zusammen einen jährlichen Gewinn von etwa zehn Milliarden Euro erzielen.

FidAR-Chefin Monika Schulz-Strelow sagte, Bundesunternehmen schnitten deutlich schlechter ab als die Kommunen. So liege zum Beispiel in den Landeshauptstädten der Frauenanteil in Spitzengremien bei knapp 30 Prozent. In Landesregierungen, „die männlich dominiert sind“, werde das Thema oft kritisch gesehen. Die Expertin kritisierte aber auch die großen Dax-Konzerne. „Wir kriegen mit den Frauen in den Vorständen nicht mal eine Fußballmannschaft zusammen“, meinte Schulz-Strelow.

Auch beim Staatskonzern Bahn müsse sich dringend etwas ändern. Dort sitze jeweils nur eine Frau in Aufsichtsrat und Vorstand. Auf die Frage, wie viel Zeit die Bahn-Spitze für einen Kurswechsel habe, meinte Schwesig: „Sie sollten schon gestern angefangen haben. Vielleicht führen ja ein paar Frauen mal dazu, dass die Deutsche Bahn pünktlich ist.“

dpa

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