Das schwierige Geschäft mit den Geschäftsreisenden

München – Die Lufthansa muss sparen und setzt deshalb auf Luxus. Was wie ein Widerspruch klingt, gehört zur neuen Strategie der Fluglinie.

Neben Einsparungen von rund 600 Millionen Euro pro Jahr soll das Geschäft vor allem mit gut betuchten Reisenden, die sich einen Flug in der Business Class leisten können, zusätzliche 300 Millionen Euro einbringen.

„Wer in Deutschland produziert, hat nur eine Chance im Premiumbereich“, sagte Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr Ende Mai bei einem Flug von Hamburg nach München. Spohr stellte damals die neue Business Class seiner Airline vor. „Wir müssen mindestens um das besser sein, was wir teurer sind“, sagte er. „Es wird immer welche geben, die es billiger machen.“

Genau das ist das Problem der Lufthansa: Auf den Kurzstrecken unterbieten Billigflieger ihre Preise, auf der Langstrecke bieten insbesondere die Konkurrenten aus Asien und der Golfregion, wie die Fluglinie Emirates, in der First- und Business Class mehr Luxus – zu gleichen oder sogar niedrigeren Preisen.

Der Ruf der bisherigen Business Class der Lufthansa ist verheerend. „Der Sitz wurde von Vielfliegern als Camping-Stuhl verspottet“, berichtet Professor Andreas Wilbers. Er lehrt an der Fachhochschule Worms im Bereich Touristik/Verkehrswesen und hat sich auf das Business Travel Management spezialisiert. „Die höchsten Erträge werden auf den Langstrecken in der Business Class erzielt“, sagt er unserer Zeitung. „Da wird das Geld verdient.“ Und ausgerechnet auf diesem Feld habe die Lufthansa erheblichen Nachholbedarf. „Geschäftsreisende legen Wert auf zwei Dinge: Dass sie an Bord arbeiten und sich ausruhen können“, erklärt Wilbers. Im Gegensatz zu den Sitzen vieler anderer Fluglinien konnte man den der Lufthansa bisher aber nicht vollständig in die Waagerechte bringen. Was für Passagiere der Economy nach einem verschmerzbaren Nachteil klingt, ist für Manager, die 4000 Euro für ein Transatlantik-Ticket zahlen und nach der Landung ausgeruht weiterarbeiten müssen, ein großes Problem.

Nun rüstet die Lufthansa auf. Bis zum Winter 2014/15 sollen in allen Langstreckenmaschinen neue Sitze eingebaut sein. Schon jetzt sitzen Passagiere, die von München nach Washington fliegen, in der neuen Business Class. Doch ein großer Wurf ist der Lufthansa damit nach Meinung von Wilbers nicht gelungen. „Die Lufthansa müsste am oberen Rand der Qualitätsskala mitspielen, aber die neue Business Class ist nur Mittelmaß.“ Zwar lässt sich der Sitz nun waagrecht stellen, doch um Platz zu sparen, haben die Techniker immer zwei Sitze in Form eines V eingebaut. Die Passagiere haben das Gefühl, als würden sie mit den Füßen an ihre Nachbarn stoßen. Um Gewicht und damit Kerosin zu sparen, besteht der Sitz zudem aus Luftkissen und nicht mehr aus Schaumstoff. „Wenn man Kosten sparen muss, sollte man lieber überlegen, ob man wirklich Champagner ausschenken muss“, sagt Wilbers. „Die Lufthansa sollte versuchen, die Prioritäten richtig zu setzen.“ Auch einen weiteren Kritikpunkt geht die Lufthansa in ihrer neuen Business Class an. Auf vielen Strecken will sie den Passagieren bald Internet anbieten. Doch Wilbers kritisiert, dass auch Passagiere der Business und First Class für den Service zusätzliche Gebühren zahlen sollen – eine Stunde kostet über den Wolken immerhin 10,95 Euro.

Die Lufthansa müsse die Kritik an ihrer neuen Business Class ernst nehmen und schnell Änderungen umsetzen, rät Wilbers. Denn die Business Class werde in den kommenden Jahren „eine Renaissance erfahren“, weil immer weniger Manager First Class fliegen dürfen. „Die Lufthansa muss aufpassen, dass sich bei den Kunden nicht das Gefühl festsetzt, sie biete im Premiumbereich nur Mittelmaß“, warnt er.

Philipp Vetter

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