Schwunghafter Handel mit gestohlenen Flugzeugteilen

- Oberpfaffenhofen - Eine Notausstiegstür im Wert von 3800 Euro, ein Wasserstandanzeiger für 6150 Euro, ein Verriegelungssystem für 7500 Euro und vieles mehr: Vier Jahre lang ließen ehemalige Mitarbeiter des insolventen Flugzeugbauers Fairchild-Dornier in Oberpfaffenhofen (Kreis Starnberg) tausende von Flugzeugteilen mitgehen. Vom 12. Juli an müssen sich die fünf geständigen Männer zwischen 34 und 58 Jahren vor dem Landgericht München II verantworten. Mit ihnen auf der Anklagebank sitzen zwei Brüder (37 und 39 Jahre), die als Hehler operiert haben sollen.

Weil die Ermittlungen gegen das Brüderpaar erhebliche Zeit in Anspruch nahmen, verstrichen vier Jahre bis zum Prozessauftakt. Im Verfahren muss nun geklärt werden, warum zwischen 1996 und dem Jahr 2000 keiner der Vorgesetzten die Diebstähle bemerkte. Dabei sollen die Angeklagten durchaus offen agiert und verschiedene Bauteile mit Privatautos abtransportiert haben. Für größere Gegenstände hatten sie angeblich in einer Halle einen Bereich abgetrennt und das Diebesgut zunächst hinter Tarnnetzen versteckt.<BR><BR>Eine Vielzahl der entwendeten Monitore, Ventile, Schalter, Fahrwerke und Höhenmesser wurden an das Brüderpaar aus Westdeutschland veräußert. Das wiederum soll die Beute an verschiedene Institutionen sowie ins Ausland - insbesondere an Fluggesellschaften in Afrika - verkauft haben. Dort gab es offenbar weniger Probleme mit abgelaufenen Zertifizierungen der Flugzeugteile. Ein Geschäft mit der Bundeswehr ließ den illegalen Handel jedoch auffliegen. Die fünf Fairchild-Dornier-Mitarbeiter packten aus und belasteten auch die beiden Hehler.<BR><BR>Die sind bislang nicht geständig. Dass ihnen aus einem Privatauto heraus Flugzeug-Ersatzteile verkauft wurden, hatten sie angeblich als nicht außergewöhnlich empfunden. Sollten sie bei dieser Aussage bleiben, muss die fünfte Strafkammer unter Vorsitz von Richter Ralph Alt in eine umfangreiche Beweisaufnahme einsteigen. Der auf zehn Verhandlungstage angesetzte Prozess dürfte sich dann bis August hinziehen.<BR>

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