Sechs Milliarden Euro: Die enorme Finanzkraft der deutschen Kinder

- Berlin - Kinder bekommen von ihren Eltern so viel Geld wie nie zuvor. Die 6- bis 13-Jährigen verfügen zurzeit im Schnitt über mehr als 1000 Euro pro Jahr, wie eine repräsentative Umfrage des Egmont Ehapa Verlages ergab. Im Vergleich zum Vorjahr legten die Guthaben der Kleinen um zehn Prozent zu. Doch scheint das Geld den Kindern nicht zu reichen. Etwa sechs Prozent der unter 18-Jährigen sind laut Finanzauskunftei Schufa in Deutschland verschuldet.

Handys, Fernseher, Computerspiele: Firmen wissen genau um die Wünsche der Kleinen - und gezielt sprechen sie diese an.

Schon früh ist auch das Markenbewusstsein der Kinder ausgeprägt; meist geben die Eltern nach, wie die Studie zum Konsumverhalten von Buben und Mädchen ergab. Vor allem bei der Kleidung war den bundesweit 1652 befragten Kindern die "richtige Marke" wichtig. Anders als bei Schokoriegeln und Müslis setzten sich die Kleinen mit ihren Produkt-Sonderwünschen bei Handys aber nicht allzu oft durch. Extras schlagen da schnell mit hundert Euro und mehr zu Buche.

Mit fast sechs Milliarden Euro (plus sieben Prozent) verfügen 6- bis 13-Jährige in Deutschland über eine ungeheure Finanzkraft. Dabei stehen vor allem elektronische Artikel auf ihren Wunschlisten.

Doch auch der Wunsch nach einem guten Aussehen und Attraktivität schlägt sich in den Kinderwünschen nieder. Jeder fünfte Bub hat eine eigene Gesichtscreme und ein eigenes Deo. Mit Körpermilch pflegen sich 14 Prozent, bei den Mädchen sind es fast 30 Prozent. Jedes dritte Mädchen setzt mit einem eigenen Parfüm auf eine angenehmere Erscheinung, unter den Jungs legen zwölf Prozent auf die persönliche Duftnote wert.

Für die steigende Zahl an Kindern, die in Deutschland in Armut leben, spiegelt die Studie sicherlich nicht den Alltag wider. "Die Schere zwischen armen und reichen Kindern klafft wohl immer weiter auseinander", vermutete der Chef-Marktforscher des Verlags, Ralf Bauer, angesichts der Ergebnisse seiner Studie. 2,5 Millionen unter 18-Jährige leben in Haushalten, denen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens zu Verfügung steht. Doch muss es ihnen nicht schlecht gehen. "An Kindern wird meist zuletzt gespart", sagte Bauer bei der Präsentation der Studie am Dienstag in Berlin.

Laut dem Statistischen Bundesamt geben Mütter und Väter immer mehr Geld für ihre Schützlinge aus. Die aktuellsten Zahlen von 2003 ergaben Ausgaben von insgesamt 550 Euro monatlich, einschließlich anteiliger Miete und anderem. "Plakativ gesagt haben wir reiche Kinder im armen Deutschland", sagte Bauer. Zum Geburtstag gab es vergangenes Jahr im Schnitt rund 68 Euro, zu Weihnachten 77. Auf den Konten sparten Jungen und Mädchen etwa 615 Euro (plus 20 Prozent) an. Jüngere Kinder wollen sich davon Spielzeug kaufen, ältere Handys.

Von den knapp sechs Millionen Kindern sind schon 1,9 Millionen mobil erreichbar. Unter den jüngeren Kindern hat sich der Anteil der Handy-Besitzer innerhalb von zwei Jahren auf zehn Prozent verdoppelt. Mehr als ein Drittel der Handy-Eigentümer telefoniert damit täglich. Gerade ältere Kinder verschicken fast jeden Tag eine SMS. So kommen sie auf Kosten von rund 23 Euro monatlich - bei knapp 21 Euro Taschengeld im Schnitt eine stattliche Summe. Der zunehmende Gebrauch von vorausbezahlten Guthabenkarten (Prepaid) und sinkende Preise verhinderten das Abrutschen in die Kostenfalle, hieß es. Meist tragen die Eltern einen Teil der Ausgaben. Nur ein Drittel der Kinder telefoniert auf eigene Rechnung.

Im Kinderzimmer halten die digitalen Medien Einzug: Fast jedes zweite Kind besitzt einen Gameboy. Zugang zu Computer, Internet und Spiele-Konsole sind nahezu selbstverständlich. Dagegen sind Klassiker wie Kuscheltiere nicht mehr so gefragt - bei einem Drittel der Kinder von sechs bis neun Jahren ist die Schmusetier-Ecke im Bett leer. Nur das Fahrrad kann sich weiter behaupten: Wer keines hat, der wünscht sich eins. Nicht geändert hat sich seit Urgroßmutters Zeiten die Vorliebe fürs Naschen: Fast zwei Drittel des Taschengeldes werden immer noch für Süßigkeiten ausgegeben.

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