Seehofer: Kampf um EADS läuft bereits

München/Bern - Im Ringen um EADS hat sich nun auch Kanzlerin Angela Merkel eingeschaltet. Derweil machen die Anteilseigner Druck – und der Ruf nach mehr Geld für den Campus in Ottobrunn wird laut.

Kanzleramt und Staatskanzlei kämpfen um den EADS-Hauptsitz in Ottobrunn. „Das ist Chefsache“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) unserer Zeitung. „Wir sind auf einem guten Weg.“ Er telefonierte am Rande seiner Schweiz-Reise am Sonntag mehrfach mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Beide wollen wohl über die staatlichen EADS-Anteile verhindern, dass die Konzernspitze aus Paris und München abgezogen und in Toulouse gebündelt wird – ein Plan des designierten EADS-Chefs Thomas Enders. Seehofer sagte, der „Kampf läuft“.

Für seine Regierung wäre der Abzug mehr als ärgerlich. EADS ist schon der dritte Konzern, den man mit der weißblauen Politik eng vernetzt glaubte und der die Staatsregierung brüskierte. Eon zog aus München ab, Siemens schließt die Netzwerk-Unternehmung NSN in der Landeshauptstadt, nun löst sich das Hauptquartier des Luft- und Raumfahrtgiganten in Ottobrunn auf. Meist steht die Landespolitik ohnmächtig daneben. Für Seehofer, dem kein allzu enges Verhältnis zu den Wirtschaftsverbänden nachgesagt wird, sieht das nicht gut aus. „Dieses Zeichen ist problematisch“, sagt einer aus seiner erweiterten Mannschaft.

Gefährlich ist der EADS-Plan auch für den geplanten Campus vor den Toren Ottobrunns. Für eine zweistellige Millionensumme soll dort eine europaweit einzigartige Fakultät für Sicherheitstechnologie, Luft- und Raumfahrt entstehen. Unis, Firmen und Staat wollen Forschung und Industrie dort eng vernetzen. EADS ist ein Hauptbeteiligter. Eine gemeinsame Grundsatz-Erklärung aller Partner unter Federführung der Staatskanzlei platzte kürzlich jedoch wegen Details – insbesondere der Konzern meldete Zweifel an. Ein Bekenntnis zum Hauptquartier Ottobrunn wollte EADS eben nicht abgeben, auch keine sonstigen Standortgarantien.

Die Verzögerung könnte sich rächen. Seit dem Bekanntwerden der Abzugspläne der EADS-Führung sind die Verhandlungen über den Campus massiv erschwert. Der Kreis jener jungen Abgeordneten aus der Region, die den Campus seit zwei Jahren anschieben, reagiert wenig begeistert. Man hätte das Grundsatzpapier schneller verhandeln müssen, kritisiert der Bundestagsabgeordnete Florian Hahn (CSU). Er habe die Kollision mit dem Führungswechsel bei EADS, wo Enders im Juni übernimmt, schon befürchtet. „Ich erwarte von der Staatsregierung, dass sie jetzt schneller handelt“, sagt Hahn, im Besonderen gelte das für den Wirtschafts- und den Wissenschaftsminister.

Hahn dringt darauf, schon im Nachtragsetat für das laufende Jahr bis zu acht Millionen Euro einzustellen. „Wenn wir das jetzt ernsthaft anschieben wollen, muss die Schatztruhe aufgemacht werden.“ Seehofer bekannte sich indes klar zu dem Projekt. „Da wird nichts beschädigt“, sagte er.

Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © dpa

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