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Ministerpräsident Horst Seehofer reist mit einer

Seehofer will chinesische Türen öffnen

München - Türen öffnen im Reich der Mitte: An diesem Wochenende bricht Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zu einer großen Auslandsreise nach Peking auf.

Der CSU-Chef trifft wichtige Politiker und besucht die ehemalige deutschen Kolonie Qingdao - zu Kaisers Zeiten Tsingtau geschrieben - in Bayerns Partnerprovinz Shandong. Im Mittelpunkt der Reise steht aber nicht die Politik, sondern das Geschäft: Im Tross begleiten gut 20 Unternehmer und Geschäftsleute den Ministerpräsidenten - von Audi-Vorstandschef Rupert Stadler bis zum Präsidenten der bayerischen Architektenkammer.

Im protokollbewussten China ist Seehofers Aufgabe klar definiert: Gut Wetter machen für die bayerische Wirtschaft. Seehofer wird in Peking voraussichtlich den stellvertretenden Regierungschef Zhang Dejiang und Außenminister Yang Jiechi treffen. Das kann er sich schon vor der Abreise als Erfolg aufs Konto buchen. Denn im stramm hierarchischen China entspricht Seehofers Rolle als Ministerpräsident lediglich derjenigen eines kleinen Provinzgouverneurs. Von Peking aus betrachtet ist München eigentlich nur ein kleines Nest auf einem mäßig bedeutenden Kontinent von Kleinstaaten.

Auf den Spuren von Franz Josef Strauß

Doch die CSU und Bayern genießen bei Chinas Kommunisten einen guten Ruf, seit der glühende Antikommunist Franz Josef Strauß 1975 als einer der ersten europäischen Spitzenpolitiker China besuchte. Strauß reiste in einem klapprigen Zug durch das von den Wirren der Kulturrevolution erschöpfte Land und traf die zwei Götterväter der chinesischen Revolution: Mao und den langjährigen Premier Zhou Enlai.

Seehofers Reise wird weniger spektakulär ausfallen, doch für ein exportorientiertes Land wie Bayern - und damit auch für den bayerischen Ministerpräsidenten - sind gute Beziehungen zur chinesischen KP inzwischen weit wichtiger als zu Straußens Zeiten. Denn China ist unaufhaltsam auf dem Weg, “der größte Markt für fast alles“ zu werden, wie das britische Wirtschaftsmagazin “Economist“ kürzlich schrieb.

Allein Audi verkaufte in China heuer von Januar bis März 77 Prozent mehr Autos als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Doch so groß die Hoffnungen, so groß auch die Probleme Chinas. Das erklärt, warum Seehofer wichtige Politiker der Zentralregierung trifft. Nach wie vor ist die chinesische Führung dringend auf den Zustrom ausländischen Knowhows und ausländischen Kapitals angewiesen. Auch nach 30-jährigem Wirtschaftsboom ist China immer noch ein armes Land - ungeachtet all der nagelneuen Autobahnen, Hochgeschwindigkeitszüge und funkelnden Wolkenkratzer.

Boomender Markt und aufkeimende Probleme

Die Wirtschaftsleistung der 1,6 Milliarden Chinesen ist nach wie vor nicht wesentlich höher als die der 80 Millionen Deutschen. Die Umweltverschmutzung hat in Teilen des Landes katastrophale Ausmaße angenommen, regelmäßig kommt es wegen sozialer Ungerechtigkeiten in einzelnen Städten zu Krawallen. Jahr für Jahr drängt eine zweistellige Millionenzahl von Schulabgängern und Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt.

Nach Schätzungen vagabundieren etwa 300 Million Bauern als Wanderarbeiter durchs Land. Gleichzeitig droht wegen der Ein-Kind- Politik in der Zukunft eine rasante Überalterung der Gesellschaft. Ein beispielloser Bauboom frisst Ackerland im Rekordtempo auf - in einem klimatisch schwer benachteiligten Land, in dem nur gut 13 Prozent der Landesfläche überhaupt für die Landwirtschaft geeignet sind.

Da bieten sich für viele bayerische Firmen und Branchen Chancen - Maschinenbauer, Umwelttechniker, Architekten, Städteplaner und andere. Interessiert ist die chinesische KP auch an der Kooperation mit bayerischen Universitäten. Trotzdem ist China für viele westliche Unternehmen ein sehr schwieriger und wenig profitabler Markt. Zu kämpfen haben Ausländer vor allem mit mangelnder Rechtssicherheit und dem sehr hohen Risiko, dass das eigene Produkt von der chinesischen Konkurrenz raubkopiert wird. Auch daheim in Bayern zeigt sich das offizielle China gelegentlich von seiner hässlichen Seite - Spitzel und Spione forschen bayerische Firmen aus, überwachen die chinesischen Gaststudenten und schnüffeln Dissidenten und Oppositionsbewegungen wie den Uigurischen Weltkongress hinterher. Gesprächsstoff genug also für Seehofer.

Carsten Hoefer

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