Wer seine Hausaufgaben macht, muss keine Stellen verlagern

- München - "Auch in Deutschland lässt sich Geld verdienen", betont Ludwig Baur, Geschäftsführer des Bayerischen Unternehmensverbands Metall und Elektro in Oberbayern. Statt Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, sollten sich Unternehmer auch darauf besinnen, wie sie im Inland sparen können. Dabei geht es nicht nur um Lohnkosten. Produkt- und Prozessoptimierung, Innovation, Kreativität, Flexibilität und starke Einbindung der Mitarbeiter sind die Stichworte. Dies ergab eine Studie von Horst Wildemann an der TU München.

"152 000 Arbeitsplätze werden jährlich aus Deutschland ins Ausland verlagert", sagt der Betriebswirtschaftsprofessor Wildemann. Die Zahl der jährlich aus Bayern verlagerten Arbeitsplätze schätzt er auf 25 000. Und jede verlagerte Stelle zieht andere ins Ausland nach - durch die Auswirkungen auf Zulieferer und den gesamten Arbeitsmarkt im In- und Ausland.Zwar seien die zu hohen Personalkosten der Hauptgrund für Verlagerungen, macht Baur deutlich. Der Verband ruft deshalb die Politiker auf, die Lohnzusatzkosten zu reduzieren. Doch das ist nur ein Teil der Lösung. Unternehmen müssen selbst dazu beitragen, Kosten zu verringern und Arbeitsplätze in Deutschland zu halten.Ein Beispiel: Ein deutsches Industrieunternehmen will eine Kostendifferenz von 23 Prozent gegenüber Polen ausgleichen. Dies gelingt nur zum Teil mit Maßnahmen im Personalbereich. "Durch Flexibilitäts- und Produktivitätssteigerungen, Arbeitszeitverlängerungen und eine Kürzung von Sonderzahlungen lässt sich die Hälfte dieses Kostenunterschiedes beheben", hat Wildemann in seiner Studie herausgefunden. Die verbleibende Hälfte könne nur durch strukturelle und prozessuale Verbesserungen in den Unternehmen erreicht werden.So könnten die Produkte einfacher gestaltet werden und damit, so Wildemanns Erfahrung, dem Kundenwunsch sogar besser entsprechen. Gleiche Qualität eines Produkts könne in vielen Fällen auch mit entschieden weniger Aufwand erreicht werden. Dabei kann auch das Schlüsselwort Innovation nicht fehlen. Um neue Wege zu finden, müssen Unternehmen sich auch einmal erlauben, Irrtümer zu riskieren und zu korrigieren.Dass diese Konzepte auch in der Praxis umsetzbar sind, zeigt Hans Manzer auf. Er leitet die Produktentwicklung bei Océ´ Printing Systems in Poing. Der Betrieb, der digitale Hochleistungsdrucker herstellt, ließ sich von Wildemann beraten. Mit dem Ergebnis: Die Firma fand in der Fertigung ein Einsparpotenzial von immerhin 30 bis 50 Prozent. Auch bei 94 anderen Unternehmen und Produkten in Deutschland errechnete Wildemann eine durchschnittliche Kostenersparnis von 30 Prozent. Dabei machte Manzer die Erfahrung, dass die Arbeitnehmer mit Änderungen durchaus einverstanden seien, wenn nicht nur an ihnen gespart wird: "Wenn Sie den Mitarbeitern vermitteln, warum es so wichtig ist, machen sie auch mit."In vielen Fällen ist auch die Verlagerung von Stellen keine Einbahnstraße: Anton Kathrein aus Rosenheim begreift sie sogar als Job-Chance. Er hat insgesamt 1800 Stellen geschaffen. Die mehr als 1000 neuen Stellen im Ausland haben es ihm erst ermöglicht, auch in Deutschland 780 neue Jobs einzurichten.

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