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Die traditionsreiche Porzellanindustrie erholt sich nach einer tiefen Strukturkrise.

Problemfall Russland

Porzellanindustrie wieder im Aufwind

Selb - Die Porzellanindustrie hat Jahrzehnte eines heftigen Strukturwandels hinter sich gebracht. Den verbliebenen großen Spielern am Markt geht es nach dem Aderlass wieder recht gut. Kleinere Manufakturen aber haben derzeit große Probleme.

Die traditionsreiche Porzellanindustrie in Deutschland zeigt sich nach schmerzhaften Jahren gut erholt. Sorgen bereitet jedoch der russische Markt. Der Umsatz mit Geschirr und Zierporzellan stieg dem Verband der Keramischen Industrie zufolge im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 340 Millionen Euro. Manufakturen, die hochwertige und hochpreisige Waren fertigen, mussten allerdings einen Rückgang hinnehmen. Der Handel mit Russland sei eingebrochen: „Hier sehen wir auch in diesem Jahr kein Licht“, sagte Verbands-Hauptgeschäftsführer Christoph René Holler in Selb.

Man müsse hoffen, dass die politische Lage sich bessere, denn für opulentes Porzellan aus Deutschland sei der komplette eurasische Wirtschaftsraum wichtig. Der Verband befürwortet auch das Freihandelsabkommen mit den USA. Wenn die Zollbarrieren fielen, sei das positiv für die heimische Porzellanindustrie und deren Exporte in die USA.

Jahrzehntelang dauerte der Niedergang der Branche, die vor allem im Nordosten Bayerns heimisch ist, an. Überkapazitäten, Billigkonkurrenz aus Fernost und veränderte Ess- und Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher kosteten zahlreiche Arbeitsplätze. Aber die Unternehmen, die überlebt hätten, seien heute stabil und gut aufgestellt, heißt es auch bei der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).

Heute gehören in Bayern zu den großen Porzellanherstellern neben den Traditionsunternehmen Seltmann in Weiden und Rosenthal in Selb auch der auf Großgastronomie, Catering und Hotellerie spezialiserte Hersteller BHS tabletop mit Betriebsstätten in Selb, Schönwald und Weiden. Er beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1100 Mitarbeiter. Das börsennotierte Unternehmen konnte seinen Umsatz 2014 von 91 auf 99 Millionen und seinen Betriebsgewinn (EBIT) von 3,7 auf 4,7 Millionen Euro steigern.

Aktuell betroffen von den eingebrochenen Märkten in Russland und Südeuropa ist die älteste Porzellanfabrik Bayerns in Tettau im Frankenwald. Die Marke Königlich Tettau, die vorwiegend Premiumware produziert, gehört zur Seltmann-Gruppe. Dem Standort Tettau steht ein Personalabbau bevor. Details sind noch nicht bekannt.

dpa

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